Waren die
Empfänger des Hebräerbriefes wiedergeborene Christen?
Zur Rettung der Lehre der "Unverlierbarkeit
des Heils" wird immer wieder behauptet, Hebr.6, 4 - 5
bedeute nicht, daß die Empfänger der Hebräerbriefes
eine echte Bekehrung erlebt hatten. Von ihnen wird dort indirekt
gesagt, daß sie
- erleuchtet worden waren,
- die himmlische Gabe
geschmeckt haben,
- des Heiligen Geistes
teilhaftig geworden waren,
- das gute Wort Gottes und
die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt hatten
- Buße getan hatten (V. 6).
Abfallen (V. 6) kann man nur von
dem, was man hat - wer auf dem Boden steht, kann nicht vom Stuhl
fallen. Anders ausgedrückt: vom Pferd fallen kann nur der, der
auf einem solchen Tier sitzt! Und so ist ein geistlicher Abfall
auch nur für wiedergeborene Christen möglich.
Ich will hier gar nicht weiter
auf die Bedeutung dieser Aussagen eingehen, sondern drei Fragen
stellen:
1. Worauf bezieht sich der
Abfall, von dem in V. 6 die Rede ist?
Wenn jemand noch keine Bekehrung erlebt hat, kann er doch auch
nicht "abfallen"!
2. Was für eine Buße haben die
Hebräer getan, wenn sie noch nicht wiedergeboren waren?
V. 6 spricht von einer "Erneuerung der Buße"; also muß
schon vorher eine Buße geschehen sein.
3. Was bedeuten dann die anderen
Aussagen über den geistlichen Stand der Empfänger des Hebräerbriefes?
- Sie waren Teilhaber der
himmlischen Berufung (3,1)
- Sie teilten das Bekenntnis
des Verfassers des Briefes (3,1/ 4, 14/ 10, 23)
- Sie gehörten, wie der
Verfasser, zum Haus Christi (3, 6)
- Sie hatten die gleiche
Freimütigkeit und den gleichen Ruhm der Hoffnung wie der
Verfasser (3, 6)
- Sie konnten vom lebendigen
Gott abfallen (3, 12)
- Sie waren Teilhaber des
Christus geworden (3, 14)
- Sie hatten Jesus Christus
als ihren Hohenpriester (4, 14/ 8, 1/ 9, 24)
- Sie konnten "hinzutreten
zum Thron der Gnade" (4, 16/ 10, 19))
- Sie brauchten geistliche
Milch als Speise, waren also geistliche Babies (5, 11 -
14)
- Sie sollten (und konnten!)
sich der vollen Reife zuwenden (6, 1)
- Sie waren geheiligt durch
das Opfer des Leibes Jesu Christi (10, 10)
- Sie hatten volle Gewißheit
des Glaubens (10, 22)
- Sie waren gereinigt vom bösen
Gewissen (10, 22)
- Sie waren geheiligt durch
das Blut des Bundes (10, 29)
- Sie waren in Verfolgungen
standhaft geblieben (10, 32 - 34)
- Sie hatten geistliche
Zuversicht (10, 35)
- Sie hatten den Willen
Gottes getan (10, 36)
- Sie gehörten nicht zu
denen, die "zurückweichen zum Verderben",
sondern zu denen, die "glauben zur Gewinnung des
Lebens" (10, 39)
- Sie gehörten zu denen, die
zusammen mit den Gläubigen des Alten Bundes vollendet
werden (11, 40)
- Sie sollten (und konnten!)
- die Sünde ablegen
- mit Ausdauer den Wettlauf der Nachfolge Jesu bestreiten
(12, 1)
- Sie hatten Jesus als Anfänger
und Vollender ihres Glaubens (12, 2)
- Sie hatten den geistlichen
Kampf bereits begonnen (12, 3b - 4)
- Sie wurden von Gott durch
Seine geistlichen Erziehungsmaßnahmen als Seine Kinder
anerkannt und behandelt (12, 5 - 10)
- Sie sollten sich sehr
ernsthaft um ihre Heiligung bemühen (12, 14)
- Sie waren gekommen u.a. zu
"der Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln
angeschrieben sind" (12, 23)
- Sie gehörten zu denen, die
ein unerschütterliches Reich empfangen (12, 28)
- Sie hatten Bruderliebe (13,
1)
- Sie gehörten zu denen, die
"die zukünftige Stadt suchen" (13, 14)
Dazu kommt noch, daß der
Verfasser sich oft selbst mit einbezieht in die Warnungen vor
einem Abfall von Gott, der den Verlust des Heils bewirken würde:
2, 1 - 3/ 4, 11/ 10, 26 - 27/ 12, 25. Er macht da keinen
geistlichen Unterschied zwischen den Briefempfängern und sich
selbst und sieht auch für sich selbst die Gefahr des Abfalls.
Detlev
Fleischhammel
3. Juni 1996
erweitert am 09.06.2003