Waren die Empfänger des Hebräerbriefes wiedergeborene Christen?

 

Zur Rettung der Lehre der "Unverlierbarkeit des Heils" wird immer wieder behauptet, Hebr.6, 4 - 5 bedeute nicht, daß die Empfänger der Hebräerbriefes eine echte Bekehrung erlebt hatten. Von ihnen wird dort indirekt gesagt, daß sie

Abfallen (V. 6) kann man nur von dem, was man hat - wer auf dem Boden steht, kann nicht vom Stuhl fallen. Anders ausgedrückt: vom Pferd fallen kann nur der, der auf einem solchen Tier sitzt! Und so ist ein geistlicher Abfall auch nur für wiedergeborene Christen möglich.

Ich will hier gar nicht weiter auf die Bedeutung dieser Aussagen eingehen, sondern drei Fragen stellen:

1. Worauf bezieht sich der Abfall, von dem in V. 6 die Rede ist?
Wenn jemand noch keine Bekehrung erlebt hat, kann er doch auch nicht "abfallen"!

2. Was für eine Buße haben die Hebräer getan, wenn sie noch nicht wiedergeboren waren?
V. 6 spricht von einer "Erneuerung der Buße"; also muß schon vorher eine Buße geschehen sein.

3. Was bedeuten dann die anderen Aussagen über den geistlichen Stand der Empfänger des Hebräerbriefes?

Dazu kommt noch, daß der Verfasser sich oft selbst mit einbezieht in die Warnungen vor einem Abfall von Gott, der den Verlust des Heils bewirken würde: 2, 1 - 3/ 4, 11/ 10, 26 - 27/ 12, 25. Er macht da keinen geistlichen Unterschied zwischen den Briefempfängern und sich selbst und sieht auch für sich selbst die Gefahr des Abfalls.

Detlev Fleischhammel
3. Juni 1996
erweitert am 09.06.2003