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Biografien

Carol Schwarz
One Day at a Time
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Unter diesem Titel hat die Verfasserin die Biografie ihrer Schwiegermutter geschrieben - einer wahrhaft faszinierenden Frau. Als junge Ehefrau und Mutter kam sie zusammen mit ihrem Mann zum persönlichen Glauben an Jesus Christus. Und der hat fortan ihr ganzes Leben geprägt und bestimmt. Es war von da an fast ein konstantes Gespräch mit Gott, dem sie immer wieder ihr Herz ausgeschüttet hat. Sehr früh schon lernte sie, das englische Sprichwort zu praktizieren: "Let's cross the bridge when we come to it" (Laß uns die Brücke überqueren, wenn wir bei ihr angekommen sind). Ihr kindlicher Glaube wurde sehr häufig mit wunderbaren Gebetserhörungen belohnt. Aber sie blieb nicht von schwerem Leid verschont: Ihr erster Mann Gene starb ganz plötzlich mit nur 36 Jahren und ließ sie mit sechs kleinen Söhnen zurück. Drei Jahre später heiratete sie wieder, aber diese Ehe wurde schon bald sehr unglücklich, weil ihr neuer Ehepartner sich höchst negativ entwickelte. Also ließ sie sich scheiden. Dazu kamen Krankheitsnöte der Kinder und eine große finanzielle Knappheit. Thelma erwies sich als eine echt starke Frau, die ihre Kraft aus dem Glauben schöpfte und diesen im Alltag konkret und konsequent lebte. Sie gab unheimlich viel Liebe weiter, auch an ihre Schwiegertöchter und natürlich auch an ihre Enkelkinder und Urenkel.

Sie hatte viel Humor und erlaubte sich kein Selbstmitleid und nahm sich selbst nicht allzu ernst. Mir gefiel besonders, daß sie oft von ihrem "little pea brain" (kleines Erbsenhirn) sprach, wenn es darum ging, Gottes Handeln nicht verstehen zu können, oder überhaupt um den himmelweiten Unterschied zwischen Seiner und unserer Weisheit. - Ein sehr empfehlenswertes, mutmachendes Buch!



John & Stacey Holley
Medals, Flags and Memories
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Bei dieser Lektüre habe ich einige Male feuchte Augen bekommen. Als Vater zweier erwachsener Söhne kann ich zumindest gut erahnen, was es bedeuten muß, einen Sohn zu verlieren. Matthew, der ebenso begabte wie beliebte einzige Sohn des Autorenpaares, wollte nach der High School einer Sache dienen, die höher war als er selbst - so wird es in diesem Buch mehrfach ausgedrückt. Deshalb ließ er sich für die US-Armee anwerben und ausbilden als Sanitäter für Kampfeinsätze im Irak-Krieg. Im November 2005 ist er dann dort einem Bombenanschlag zum Opfer gefallen.

Die Eltern schildern ausführlich und anschaulich, was sie empfanden und wie sie versuch(t)en, mit der Trauer und dem Verlust fertigzuwerden. Das ist, wie gesagt, bewegend zu lesen. Als sie erfuhren, wie der Leichnam ihres Sohnes in die USA zurückgebracht werden sollte, gingen sie auf die Barrikaden: Er sollte im Flugzeug einer kommerziellen Fluglinie transportiert werden und dann wie ein Stück gewöhnliche Fracht mit einem Gabelstapler aus dem Rumpf des Fliegers in eine Lagerhalle gebracht werden, von wo aus es dann weitergehen sollte. Dieser würde- und pietätlose Umgang brachte die Eltern auf die Barrikaden. Sie ließen es nicht dabei bewenden, dafür zu sorgen, daß der Sarg mit ihrem Sohn mit allen militärischen Ehren transportiert und behandelt wurde, sondern sie setzten durch, daß entsprechende Gesetze erlassen wurden, die dafür sorgten, daß das seitdem auch mit allen anderen in Kriegseinsätzen gefallenen amerikanischen Soldaten geschieht.

Zwei Dinge befremden mich bei diesem Buch allerdings sehr. Das Eine ist, daß es immer wieder und durchgängig alle im Irak-Krieg gefallenen amerikanischen Soldaten pauschal als Helden bezeichnet. Die bloße Tatsache, daß sie bei Kampfeinsätzen ums Leben gekommen sind, egal wie, macht sie in den Augen der Verfasser zu Helden. Das erinnert mich als Deutschen an die nationalsozialistische Glorifizierung der gefallenen deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. In den Briefen an die Hinterbliebenen wurden auch sie als Helden bezeichnet, auch, wenn sie in Wirklichkeit als Kanonenfutter mißbraucht worden und jämmerlich krepiert waren.

Was ich noch weniger verstehen kann, ist, daß die Holleys immer noch davon überzeugt sind, daß ihr Sohn für eine gute Sache gestorben ist, nämlich für den Kampf gegen den Terrorismus und um einem eventuellen Angriff des Irak auf die USA mit Massenvernichtungswaffen zuvorzukommen. Ich kann nachvollziehen, daß ihr Sohn damals davon überzeugt war, daß der Irak-Krieg notwendig war. Aber heute wissen wir doch, daß es keine Verbindung gegeben hat zwischen dem Irak bzw. Saddam Hussein und der Al Kaida. Und wir wissen auch, daß es im Irak keinerlei Massenvernichtungswaffen gegeben hat, und müssen davon ausgehen, daß George W. Bush die Welt diesbezüglich belogen hat. Daß die Verfasser das ignorieren, das kann ich nur als eine unglaubliche Naivität erklären. Oder als eine Lebenslüge, weil die Wahrheit für sie unerträglich wäre. Ich konnte es aber infolgedessen nach fast zwei Dritteln des Buches meinerseits nicht ertragen, es weiterzulesen.





Joseph Kenny

Kibbutz

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Joseph Kenny kam 1990 als Zwanzigjähriger aus dem kalten, nassen Dublin nach Israel, um für ein paar Monate als Freiwilliger in einem Kibbutz zu arbeiten. Weil er einen echten Kontrast zu einer irischen Heimat erleben wollte, wünschte er sich, in den Süden des Landes geschickt zu werden. So landete er im Kibbutz Sedera bei Beer Sheba. Die Trockenheit der Wüste dort mit ihrer sengenden Sonne verlangte ihm Einiges ab, und die Arbeiten, die ihm zugeteilt wurden, waren sehr anstrengend und untergeordnet. Trotzdem tat er sie je länger, je lieber – er nahm diese Herausforderung an und meisterte sie. In seiner Freizeit hatte er viel Spaß mit den anderen Freiwilligen aus aller Herren Länder, die glücklicherweise alle mehr oder weniger git Englisch sprachen, und auch mit einigen israelischen Kibbutzmitgliedern, die aber fast alle selbst vor nicht allzu langer Zeit eingewandert waren. Und vor allem verliebte er sich unsterblich in eine junge Israeli, die seine Liebe auch erwiderte.

 

Er schildert die Charaktere der Menschen, die er dort kennenlernte, sowie das Leben im Kibbutz mit einer scharfen Beobachtungsgabe und viel Humor. Dabei störte mich natürlich die vulgäre Ausdrucksweise in den Dialogen, die im Englischen noch viel schlimmer ist als die deutschen Fäkalausdrücke, die man bei uns oft hört. Aber so haben die Menschen nun einmal gesprochen, mit denen er dort zusammenlebte.

 

Leider berührt er die geschichtlichen und religiösen Hintergründe Israels nur hier und da, und das nur oberflächlich und distanziert. Mehrfach erwähnt er, daß er später lange in Israel gelebt hat und Land und Leute viel besser kennegelernt hat. Aber das Buch endet mit seiner Rückkehr nach Irland, und danach erfährt man nur noch, daß er da anscheinend geblieben ist, aber auch viel Zeit in Kalifornien verbracht hat. Diese Andeutungen lassen beim Leser eine gewisse unbefriedigte und enttäuschte Neugier zurück. Alles in allem halte ich es für eine bedingt empfehlenswerte Lektüre.





Johannes Hagen
Fast unglaublich, aber wahr
Fromm Verlag

Der mittlerweile 92jährige Verfasser kann auf ein sehr interessantes Leben zurückblicken. Dazu gehören 3 1/2 Jahre als Soldat im Zweiten Weltkrieg, unter anderem in Rußland, die Flucht aus der DDR und viele Jahre im Missionsdienst in Äthiopien und Sierra Leone und dann, als Rentner von Deutschland aus, in vielen Einsätzen wieder in Äthiopien. Dabei hat er unzählige Male erlebt, wie Gott ihn und seine Familie spürbar geführt, versorgt und bewahrt hat. Mehrmals hat er dabei Dinge erlebt, die man nur als echte Wunder erklären kann. Was in diesen Jahrzehnten durch das Gottvertrauen, den Gehorsam und die Hingabe und Opferbereitschaft  von ihm und seiner Frau Brigitte entstanden ist, das ist höchstbewundernswert und eindrucksvoll. Und doch berichtet er es immer so, daß nicht seine eigenen Leistungen und Fähigkeiten im Mittelpunkt stehen, sondern das Wirken des wunderbaren Gottes, dem er dient. Mehrfach erzählt er von  Situationen, in denen Gott weit mehr tat, als er Ihm zugetraut hätte.

Johannes und Brigitte Hagen sind übrigens auch leuchtende Beispiele dafür, daß auch Senioren noch sehr aktiv in der Missionsarbeit tätig sein können.

Sehr eindrucksvoll finde ich auch das Fazit am Ende des Buches:
Für mich selbst haben sich drei Lebensweisheiten in den letzten 50 Jahren meines
Lebens immer wieder bestätigt:
 
1.  Gott in allem vertrauen lohnt sich in jeder Situation.

2.  Wenn wir Jesu Rat, zuerst nach dem Reich Gottes zu trachten, ernst
 nehmen,  werden  wir nicht enttäuscht.

3.  Wenn wir, anstatt nach unserem Vorteil und unserer eignen Ehre zu
 kämpfen, die Ehre Gottes suchen, dann erhalten wir auch Ehre
 durch Ihn. 
Ich habe diese faszinierende Biografie in nur zwei Tagen verschlungen und kann sie nur wärmstens empfehlen. Wobei ich zugeben muß, daß ich nicht objektiv bin: Meine Frau und ich durften "Hans", wie ihn die meisten Menschen nennen, und seine Frau Brigitte schon 1981 kennen und schätzen lernen. Und es war mein Onkel Joachim Hildebrand, der durch eine Bibelarbeit sehr dazu beitragen durfte, daß die beiden ihre Führung in den Missionsdienst erkannten.

Das Buch kann hier bezogen werden.



Daleen Berry
Sister of Silence
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Aus seelsorgerlicher Erfahrung kenne ich Frauen, die sexuell mißbraucht worden sind. Deshalb trage ich einen großen Zorn in mir gegen die Täter. Entsprechend hat mich von Anfang an eine tiefe Abneigung verbunden gegen Eddie Leigh, der der Verfasserin das Leben jahrelang zur Hölle gemacht hat. Sie war 13, als er, einige Jahre älter als sie und anfangs von ihr unschuldig umschwärmt, zum ersten Mal vergewaltigte. Sie fühlte sich nicht nur wehrlos, sondern auch schmutzig und mitschuldig. Dadurch hatte er sie in der Hand und vergewaltigte sie immer wieder. Als sie schwanger wurde, meinte sie, ihn heiraten zu müssen. Sie liebte ihn trotz allem (!!!) und versuchte alles, damit die Ehe gut werden sollte. Aber es scheiterte an Eddies grenzenloser Egomanie und Rücksichtslosigkeit. Auch in der Ehe setzte er die Befriedigung seiner teils perversen sexuellen Wünsche immer wieder mit Gewalt durch und ließ keinerlei Verhütung zu, so daß Daleen in fünf Jahren vier Kinder bekam. Die liebte sie über alles und blieb um ihretwillen bei ihrem tyrannischen Ehemann.

Beim Lesen dieses Buches wurde meine Frage immer dringender, wann sie sich endlich von diesem Ekel trennen würde, den jeder anständige und mitfühlende Mensch liebend gerne übers Knie legen würde. Um der Spannung willen lasse ich diese Frage bewußt offen.

Ich wünsche diesem sehr gut geschriebenen Buch weite Verbreitung, weil es anderen Frauen in ähnlichen Situationen (und von denen gibt es auch im 21. Jahrhundert weit mehr, als man meinen sollte!) helfen kann.




Kerri-Ann Weston

Bronze
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Dieses Buch erinnert an das Schicksal von Joni Earickson-Tada. Nur daß die Verfasserin dieser Biografie durch ihr ähnliches Schicksal nicht zum persönlichen Glauben an Jesus Christus gefunden hat (obwohl sie erwähnt, daß sie Jonis Buch gelesen hat). Bei Kerri-Ann Weston war es auch kein Badeunfall, sondern eine Krankheit, die sie für immer an den Rollstuhl gefesselt hat. Aber auch sie war bis dahin eine sehr sportliche, aktive und lebensfrohe Jugendliche gewesen, die im australischen Queensland an der Goldküste lebte.

Ihre enorme Willenskraft und Ausdauer ermöglichte es ihr nicht nur, mit ihrem Schicksal fertigzuwerden. Sie begann wieder, zu schwimmen, und in den Paralympics in den Achtzigerjahren stellte sie in verschiedenen Disziplinen neue Weltrekorde auf und gewann viele Medaillen. Nach mehreren Liebesbeziehungen, die an ihrer Behinderung scheiterten, fand sie endlich einen Mann, der sie wirklich bedingungslos liebte. Sie heirateten und bekamen vier Kinder und adoptierten ein fünftes.

Die Verfasserin hat beim Lesen sehr schnell meine Sympathie gewonnen durch ihre Ehrlichkeit und Echtheit, ihre Fähigkeit, über sich selbst zu lachen sowie durch ihre Stehaufmännchen-Qualitäten in den Schicksalsschlägen, mit denen sie fertigwerden mußte. Daß ihre Biografie sich von den Lesern verabschiedet als von einer glücklichen Ehefrau und Mutter, das gönnt man ihr natürlich von Herzen.





Dolf Unger
Grace of the Cast off Cross
(The Decision is always Ours)
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Vier Jahre lang hat der gebürtige Niederländer in japanischer Kriegsgefangenschaft verbracht, natürlich unter schwer vorstellbaren Entbehrungen, Krankheiten und Demütigungen. Dort in den Konzentrationslagern lernte er viele ernsthafte Mitchristen kennen, hauptsächlich Landsleute, aber auch Briten und Amerikaner. Was er da erlebte, erinnert mich an die Scherzfrage: Wenn drei Niederländer aufeinandertreffen, was tun sie dann? Nun, sie gründen eine Kirche. Unter den Kriegsgefangenen entstand das, was sie "Church under the cross" nannten (Kirche bzw. Gemeinde unter dem Kreuz). Daß den Japanern das nicht gefiel, liegt ja auf der Hand. Was für den christlichen Buchhändler Dolf Unger neu war, war, auch mit ganz anders geprägten Christen Gemeinde zu leben. Das war nicht immer leicht. Aber er schreibt, daß er später sein Leben lang sich nach dieser intensiven, authentischen Gemeinschaft zurückgesehnt hat.


Am meisten beeindruckt und geprägt haben ihn wohl britische Anhänger der Oxford-Bewegung, die betonten, daß Gläubige nicht unbedingt Pastoren brauchen; jeder Christ kann und soll dienen, und zwar anderen Christen und auch Nichtchristen. 


So beeindruckend die Schilderung des geistlichen Lebens dieser Kriegsgefangenen ist, bleiben doch Fragezeichen. Nie wird da deutlich, daß der Mensch Vergebung seiner Schuld braucht. Von Bekehrung ist nicht die Rede. Das Leiden und Sterben Jesu wird nicht thematisiert als Grundlage unseres Heils, sondern als Vorbild für unser eigenes Leiden um Seinetwillen. Und das Leben als Christ wird mehr oder weniger reduziert auf den Dienst für Gott und andere Menschen.


Trotzdem ist das Buch eine interessante Lektüre. Nur gegen Ende wird es etwas langatmig, weil es dann fast nur noch auch Faksimiles von handgeschriebenen Briefen von und an den Verfasser kurz nach dessen Befreiung und ihrer Übersetzung ins Englische besteht. Auch die Satzstellung scheint im gesamten Buch sehr oft nicht dem englischen Sprachgebrauch zu entsprechen.






Catana Tully
Split at the Root - a Memoir of LOVE and LOST Identity
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Die interessantesten und unglaublichsten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben. Wäre dieses Buch Fiktion, dann müßte die Verfasserin sich vorwerfen lassen, doch ein bißchen zu dick aufgetragen zu haben. Aber sie beschreibt ja einfach "nur" die fesselnde und bewegende Geschichte ihres Lebens, das etwa mit ihrem fünfzigsten Lebensjahr zu einer Suche nach ihrer wahren Identität wurde. Es ist eine Identität, die jahrzehntelang vergraben und ignoriert worden war, auch von ihr selbst. Eine Identität, die ihr zunächst sehr fremd vorkam, die zu finden und anzunehmen dann aber doch ein Nachhausekommen für sie war.


Catana kam 1940 in Guatemala als uneheliches Kind einer schwarzen Hausangestellten zu Welt, die es gleich nach der Geburt der deutschen Familie gab, für die sie arbeitete. Mutti, wie sie ihre Pflegemutter nannte, überschüttete sie mit Liebe und sorgte in jeder Hinsicht gut für das hübsche kleine schwarze Mädchen, das sie "Mohrle" nannte, was keineswegs abschätzig gemeint war.


Als junge Frau ging sie nach Deutschland, wo sie, zunächst gegen Muttis Willen, Karriere als Model und Schauspielerin machte. In München heiratete sie ihren Traummann, einen weißen Amerikaner. Als sie ihm in dessen Heimat folgte, begegnete sie zum ersten Mal massivem Rassismus. Aber nicht nur in Form von Vorurteilen der Weißen gegenüber den Schwarzen, sondern auch in Form von Ablehnung der Afroamerikaner, weil sie einen Weißen geheiratet hatte. Überhaupt stieß die Mentalität der Afroamerikaner sie ab. Das zwang sie dazu, nach ihrer eigenen Identität zu suchen. Wer war sie wirklich?


Da ich viel Sympathie für dunkelhäutige Menschen afrikanischer Herkunft oder Abstammung hege und mich die Begegnung mit fremden Kulturen schon lange fasziniert, hat mich dieses Buch im Grunde schon gepackt, bevor ich die erste Zeile gelesen hatte. Und das hat bis zum Schluß nicht aufgehört. Kann ich es empfehlen? Dumme Frage!


Allerdings kann ich natürlich nicht ihre Beurteilung (bzw. Aburteilung) des Christentums teilen. Sie behauptet, die unterdrückten bzw. kolonialisierten dunkelhäutigen Menschen in Afrika und Lateinamerika hätten sich damit nie identifizieren können, weil es weiß als die Farbe der Reinheit und schwarz als die des Bösen betrachtet. Die tiefe christliche Frömmigkeit der schwarzen Sklaven in Amerika sowie die rapide wachsenden evangelikalen Gemeinden in Afrika und Lateinamerika beweisen das Gegenteil.


Nachtrag:
Da in diesem Buch dazu ermutigt wurde, der Verfasserin über ihre Homepage Feedback zu geben, habe ich das getan und zu meiner Rezension ihres Buches bei Amazon verlinkt (das ist fast zu hundert Prozent derselbe Text wie hier, und ich habe ihrem Buch alle fünf möglichen Sterne gegeben). Sie hat daraufhin per E-Mail geantwortet und diesen Text in das Gästebuch dieser Homepage eingetragen:


Dear Detlev,
Congratulations on a beautiful website that is filled with inspirational and inspired material. I will be visiting it when my spirit needs uplifting thoughts. Thank you for your wonderful review of my book Split at the Root. I am humbled.


Übersetzung:
Lieber Detlev,
herzlichen Glückwunsch zu einer schönen Web Site, die voller inspirierenden und inspirierten Materials ist. Ich werde sie besuchen, wenn mein Geist aufrichtende Gedanken braucht. Danke für Ihre wunderbare Rezension meines Buches "Split at the Root". Das macht mich verlegen.




Bryan Gregory
Ole Man on the Porch: The Trooper
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Dies ist keine Biografie im eigentlichen Sinn. Was der pensionierte Polizist berichtet, berührt sein Privatleben kaum. Dafür gewährt es interessante, oft bewegende und noch öfter erheiternde Einblicke in seinen Berufsalltag, aber auch in seinen Charakter. Er erzählt sehr traurige, ja teilweise sogar schockierende Erlebnisse. Aber viel mehr Raum nehmen die Streiche ein, die er mit viel Vergnügen Kollegen und Vorgesetzten gespielt hat - und natürlich auch, wie die es ihm teilweise heimgezahlt haben, was er mit viel Humor und Verständnis ertragen hat. Manchmal wirkte er auf mich ein bißchen arrogant, wenn ich von seinen angeblichen Fahrkünsten oder seinem guten Aussehen las. Beeindruckt hat mich aber umso mehr sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, seine Hilfsbereitschaft, seine Unbestechlichkeit und seine Weigerung, sich bei Vorgesetzten einzuschleimen, um Karriere zu machen, was ich bewundernswert finde. Die letzten beiden Punkte haben denn auch dazu geführt, daß er fast auf der untersten Rangstufe stehengelieben ist. Er deckt auch so manche politische und soziale Mißstände seines Landes auf, die es hier bei uns aber genauso gibt.


Das Buch hat stellenweise Längen, wenn es denn doch hier und da ein bißchen zuviel wird mit den Streichen, die mir teilweise auch zu hart erschienen. Dazu kommt noch eine teilweise sehr drastische, vulgäre Ausdrucksweise, die aber dennoch in gewissen Grenzen bleibt. Insgesamt kann ich dieses Buch empfehlen.





Rose Lamatt
Just a Word: Alzheimer's
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Zwei sehr unterschiedliche Frauen verbindet eine enge Seelenverwandtschaft und Freundschaft: Carol, die prominente, erfolgreiche Golfspielerin, nimmt Rose, die wesentlich jüngere Ehefrau und Mutter, bei sich auf, die ihrer Ehehölle entflohen ist und unter psychischen Krankheiten leidet. Die beiden genießen miteinander das Leben an der Atlantikküste Floridas in vollen Zügen - bis bei Carol Alzheimer diagnostiziert wird. Rose beschreibt in diesem Buch die schreckliche, grausame Zerstörung der Persönlichkeit ihrer Freundin. Aber auch, wie sie sie begleitet, bis ein friedliches Sterben sie von diesen Leiden erlöst. Später, im Rückblick, erkennt Rose, daß diese schwere Zeit nicht nur eine furchtbare psychische und körperliche Belastung für sie gewesen ist, sondern auch ein großer Gewinn.


Die Autorin ist praktizierende Katholikin, was sich stark auf ihre in diesem Buch geäußerten Ansichten über Gott, das Christsein und das Jenseits auswirkt und meinem Verständnis der Bibel widerspricht. Dennoch finde ich es sehr lesenswert.




Andrew Fodor
The Survivor's Song

Volume I: Unarmed Soldiers - Budapest to Stalingrad and back
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Daß ein Jude, in diesem Fall ein ungarischer, die Hitler-Zeit überlebt hat, ist als solches schon ungewöhnlich genug. Aber Fodor Andras, wie er ursprünglich hieß, verbrachte diese Zeit nicht etwa in einem Versteck. Wie so viele andere ungarische Juden, wurde er von der ungarischen Armee eingezogen, und zwar in eine Zwangsarbeiter-Kompanie mit der Nummer 101/10. Sie bestand ursprünglich aus 330 Mann, von denen nur 30 lebend zurückkehrten. Diese Männer folgten den für Deutschland kämpfenden ungarischen Truppen und waren unbewaffnet. Ursprünglich fuhr Fodor einen Lastwagen, der Treibstoff für die drei (!) einzigen ungarischen Panzer transportierte. Später mußte er einmal sogar ein Minenfeld mit roten Fahnen begrenzen, dessen Ausmaße nur ungefähr bekannt waren. So kam er bis Stalingrad. Er geriet immer wieder in Lebensgefahr. Durch Intelligenz, Kaltblütigkeit, eine gehörige Portion chuzpe und viel Glück (aber in Wirklichkeit wohl eher durch die Bewahrung Gottes) konnte er schließlich, nur leicht verletzt, in das heimatliche Budapest zurückkehren, wo er das Kriegsende erlebte - auch das immer wieder in höchster Gefahr. Er schildert das alles sehr anschaulich, spannend und mit dem unvergleichlichen jüdischen Humor. Das Buch ist eine fesselnde, empfehlenswerte Lektüre!




Joan Uda
The Jade Locket and the Red Star
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Dieses Buch ist die Liebeserklärung einer sehr warmherzigen Frau an ihren Adoptivvater. Nach dessen Tod beschäftigte sie sich intensiv mit dem Ordner, der die Unterlagen über seine lange Militärzeit enthält. Sie hat sie ausgewertet und durch Informationen aus umfangreichen eigenen Recherchen ergänzt und so eine Biografie des Mannes erstellt, den sie von ganzem Herzen geliebt und verehrt hat, vor allem, weil er zusammen mit seiner Frau das kleine Mädchen aus dem Waisenhaus geholt und adoptiert hatte, das von seinen leiblichen Eltern verlassen worden war.


Sie verschweigt seine Schwächen durchaus nicht, und dennoch zeigt das Bild seines Lebens, das sie zeichnet, daß sie allen Grund hatte, Warren William MacAllister zu bewundern. Er war nicht nur ein tatkräftiger, erfolgreicher und vielfach belobigter und ausgezeichneter amerikanischer Offizier im zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg, sondern auch ein treuer Ehemann und liebender und aufopferungsvoller Vater.


Mich hat besonders bewegt, wie er seiner Tochter auf dem Totenbett erzählte, daß er wider Willen und unwissentlich auf Okinawa viele einheimische alte Leute, Frauen und Kinder mit einem Flammenwerfer getötet hat, weil man ihm gesagt hatte, es seien Japaner, die jede Nacht aus der Höhle kamen und Einheimische enthaupteten. Mit dieser Schuld wurde er damals nicht fertig. Und leider hat seine Tochter, die später Pastorin in der United Methodist Church wurde, ihm nicht wirklich helfen können. Immer wieder fragte er sie, ob Gott ihm das jemals vergeben könne. Hätte sie ihm doch nur 1. Johannes 1, 9 vorgelesen, wo uns verheißen wird, daß, wenn wir unsere Schuld bekennen, Gott uns von ALLER Ungerechtigkeit reinigt!


Und doch scheint er noch Frieden mit Gott gefunden zu haben. Denn kurz bevor er starb, sagte er zu seiner Frau und zu seiner Tochter, er habe unbeschreiblich schöne Dinge gesehen, über die er mit ihnen nicht sprechen dürfe. Und er schien sich danach zu sehnen, dorthin zu gehen.


Daß Joan Uda danach noch eine Menge über sich selbst schreibt, besonders über ihre schwere Krankheit, ist verständlich, aber es gehört nicht zum Thema - ich habe das nicht mehr alles gelesen. Auch sonst hat das Buch stellenweise Längen, weil es manchal unnötig detailliert ist. Insgesamt finde ich aber, daß es ein lesenswertes Buch ist.


 

 

Charles River Editors
American Legends: The Life of Clint Eastwood
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Ich habe schon interessantere Biografien über interessantere und vor allem vorbildlichere Persönlichkeiten gelesen als diese. Clint Eastwood ist zweifellos ein sehr guter Schauspieler und Regisseur und ein echt erfolgreicher noch dazu. Er hat eine große Ausstrahlung. Mir gefällt auch, daß er sich zwar einerseits deutlich zur amerikanischen Republikanischen Partei bekennt, also politisch konservativ ist, sich aber andererseits für schärfere Waffengesetze einsetzt. Auch das zeigt eine starke, individualistische Persönlichkeit.


Menschlich gilt er allerdings als ziemlich arrogant. Er sagt, er wisse nicht, was ein Macho ist; und dann zählt er einige Prominente auf als Beispiele für Machos, die sich aber alles andere als Machos verhalten. Das beweist in meinen Augen, daß diese Männer eben gerade keine Machos sind und daß Eastwood in der Tat nicht weiß, was das ist. In gewisser Weise hatte sein Lebensstil als notorischer Schürzenjäger und Ehebrecher aber jahrzehntelang typische Macho-Züge.


Ich kann diese relativ kurze Biografie nur Lesern empfehlen, die sich sehr für Clint Eastwood interessieren.


 

Traugott Vogel/ Shirley Stephens
Under the SS Shadow
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"Wenn ich jetzt mit Ihnen auch nur annähernd so umgehen würde, wie Ihr Vater es mit mir getan hätte," sagte der deutschstämmige jüdische amerikanische Offizier zu dem jugendlichen Sohn eines im Krieg gefallenen ranghohen SS-Offiziers ... Der sah seine Felle davonschwimmen; er hatte sich wegen seiner guten Englischkenntnisse um Arbeit bei den amerikanischen Streitkräften beworben. Aber dann sprach der Amerikaner weiter: " ... dann würde sich die Spirale des Hasses weiterdrehen, und das will ich nicht." Und so bekam Traugott Vogel seinen Job. Dieser Moment sollte sich in mehr als einer Hinsicht als der Beginn eines Wendepunktes in seinem Leben erweisen.


Traugott Vogel mußte nicht nur schreckliche Bombenangriffe der Alliierten auf seine Heimatstadt Augsburg erleben, in denen auch sein Elternhaus zerstört wurde. Als er fünfzehn Jahre alt war, entkam er mit Mühe und Not dem "Heldentod" im sogenannten "Volkssturm". Kurz darauf wurde sein Vater vor seinen Augen von österreichischen Partisanen aus dem Hinterhalt erschossen, und das wenige Tage vor Kriegsende. Traugott war voller Haß auf die Menschen, die seiner Familie und ihm das angetan hatten. Würde dieser Haß ihn sein ganzes Leben lang begleiten und innerlich zerfressen?


Dieses Buch erzählt, wie er Jesus Christus persönlich kennenlernen durfte und wie das sein Leben im besten Sinne des Wortes auf den Kopf stellte. Eine spannende Lektüre!


 

 

Ian Skidmore
Gentleman Commando
Amazon Kindle E-Book 2013


Ich bin nur gut sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren, in dem auch zwei meiner Onkel gefallen sind, die ich deshalb nie kennenlernen durfte. AUßerdem interessiere ich mich in zunehmendem Maße für historische Themen. Besonders beschäftigt mich immer wieder die Frage, wie Menschen die schreckliche Zeit von 1939 bis 1945 erlebt haben. Dieses Buch schildert die Erinnerungen des britischen Colonel (Oberst) Alan Ferguson Warren sowie von Freunden. Er war Jahrgang 1900 und Berufssoldat. Bis 1939 hatte er das Militär des britischen Weltreichs immer nur als siegreich und vorbildlich erlebt. Doch dann war er dabei, als die Briten aus Norwegen und aus Frankreich vertrieben wurden. Jetzt wurde er für militärische Einsätze hinter den feindlichen Linien eingesetzt. Zunächst in Frankreich und dann im damaligen Malaya in Südostasien. Dort erlebte er das scheinbar unaufhaltsame Vorrücken der Japaner mit, zunächst auf Singapur und später auf der Insel Sumatra im heutigen Indonesien. Er war entsetzt, als er hörte, daß dort angesichts der drohenden Niederlage viele der sonst so disziplinierten britischen Soldaten ihre Waffen verkauften und am hellichten Tage auf offener Straße einheimische Frauen vergewaltigten.


Jetzt hätte er, wie die meisten Offiziere seines Rangs und höher, sich in die Heimat absetzen und von dort aus seine militärische Karriere fortsetzen können. Aber das kam für ihn nicht in Frage. Er blieb bei seinen Soldaten und ging mit ihnen in die japanische Kriegsgefangenschaft, wohl wissend, was da auf ihn zukam. Dreieinhalb Jahre lang erlitt er grausame Demütigungen, Mißhandlungen, Zwangsarbeit, Hunger und andere Entbehrungen und daraus resultierende Krankheiten. Während dieser ganzen Zeit nahm er seine Verantwortung als Ranghöchster unter den britischen Kriegsgefangenen sehr ernst, für Disziplin, Moral und Zuversicht zu sorgen und sich auch gegenüber den unmenschlichen japanischen Bewachern für seine Männer einzusetzen.


Die Disziplin, das Pflichtbewußtsein und die Selbstlosigkeit dieses Mannes machen dieses Buch zu einer faszinierenden Lektüre. Da stört es kaum, daß man als nicht Fachmann viele der militärischen Abkürzungen nicht versteht. Ach ja - es gibt anscheinend noch keine deutsche Übersetzung.

 

 


Sabine Kuegler
Dschungelkind
München: Knaur 2006


In letzter Zeit lese ich fast nur noch elektronische Bücher im E-Book-Reader - nicht nur weil die Lektüre in dieser Form preisgünstiger ist, sondern auch, weil man dafür kein Bücherregal braucht; so ein Lesegerät in Form eines dünnen Taschenbuchs kann eine ganze Bibliothek enthalten. Nun ist mir aber vor ein paar Tagen diese Biografie aus Papier in die Hände gefallen, und ich habe sie "verschlungen". Nicht nur, weil sie so spannend geschrieben ist, sondern auch, weil es darin um ein Thema geht, das mich schon lange fasziniert und fesselt: die Begegnung mit fremden Kulturen.


Die Verfasserin verbrachte ihre Kindheit und Teenagerzeit als Tochter von Sprachforschern und Missionaren buchstäblich im Dschungel von West-Papua; dort wuchs sie kaum anders auf als die Kinder des Fayu-Stammes, der praktisch noch wie in der Steinzeit lebte. Es war eine wunderschöne, weitgehend unbeschwerte Zeit für die kleine Sabine. Als dann die Familie zum Heimaturlaub nach Deutschland reiste, begegnete ihr zum ersten Mal die so fremde "Heimat", die ihr aber auch schöne Erfahrungen bot. Dennoch hatte sie Heimweh und war sehr froh, wieder in das kleine indonesische Urwalddorf zurückkehren zu können. Hier merkte sie aber auch bald, daß sie jetzt, da sie kein Kind mehr war, dort auch nicht mehr hingehörte. Als dann ein einheimischer Jugendfreund  plötzlich starb, nahm sie das zum Anlaß, das Angebot der Eltern anzunehmen, in die Schweiz überzusiedeln, um ihre Schulausbildung abzuschließen. Dort und anschließend in Deutschland erlebte sie dann einen immer schlimmer werdenden Kulturschock, der beinahe in einer Katastrophe geendet hätte ...

Wer sich für diese Thematik interessiert, dem lege ich dieses Buch ans Herz.

 

 


Henry Ketcham
The Life of Abraham Lincoln
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Dieses Buch wurde 1906 veröffentlicht, ist also über hundert Jahre alt, was man an der Sprache merkt, vor allem an der Satzstellung. Das hat aber den Vorteil, daß der Verfasser den 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten (1860 - 1865) noch selbst erlebt hat. Er ist also zeitlich näher an dem, was er beschreibt, als wenn heute jemand über den Zweiten Weltkrieg berichten würde. Allerdings war Henry Ketcham seinem Protagonisten auch innerlich sehr nah - zu nah, um sein Leben objektiv beschreiben zu können. Ich bin kein Kenner der nordamerikanischen Geschichte, aber beim Lesen kamen mir immer mehr Zweifel an eben dieser Objektivität. Der entsprechende Artikel in Wikipedia zeigte mir denn auch, daß der Verfasser über weniger vorbildliche Teile der Politik Lincolns vornehm schweigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: das himmelschreiende Unrecht, das damals (allerdings natürlich auch unter anderen amerikanischen Präsidenten) den Ureinwohnern des Kontinents angetan wurde. Unerwähnt bleibt seltsamerweise auch Lincolns innere Nähe zu den Freimaurern, denen er sich angeblich nur aus wahltaktischen Gründen nicht offiziell angeschlossen haben soll.


Dennoch finde ich dieses Porträt Abraham Lincolns faszinierend. Nicht nur, daß Lincoln es geschafft hat, aus einfachsten Verhältnissen sich weitgehend autodidaktisch ein enormes Wissen anzueignen und die höchste politische Stellung einzunehmen, die ein US-Bürger erreichen kann. Was ich noch viel mehr bewundere, ist sein Charakter. Seinen Spitznamen "Honest Abe" (ehrlicher Abraham) bekam er zu Recht schon als junger Mann verpaßt, und dieser beschrieb sein Wesen und sein Verhalten sein Leben lang. Das Buch enthält einige Anekdoten, die das belegen. Er war und blieb unbestechlich, selbstlos und gerecht. Es ist schier unglaublich, wie langmütig und großzügig er mit Gegnern und Feinden umging, die ihm großen Schaden zufügten. Und er blieb immer bescheiden und ein Mann des Volkes. Oft hat er gesagt: Gott muß die einfachen Leute lieben - sonst hätte Er nicht so viele davon gemacht.


Der rote Faden, der sich durch sein ganzes Leben zieht, ist seine Ablehnung der Sklaverei. Als er als Jugendlicher damit in Berührung kam, sagte er zu Freunden sinngemäß: "Wenn ich je die Gelegenheit habe, da mit der Faust dreinzuschlagen, werde ich es mit aller Macht tun." Das hat er später umgesetzt, allerdings mit Augenmaß. Daß etwa zur Zeit des Bürgerkrieges die Südstaaten für die Sklaverei waren und die Nordstaaten, ist eine grobe Vereinfachung. Auch in den Staaten, die in der Union blieben, gab es viele Menschen, die dieses Unrecht keineswegs abschaffen wollten. Lincoln war zu Recht entsetzt und abgestoßen davon, daß Theologen die Sklaverei sogar für biblisch gerechtfertigt hielten. Aber er hat sein Ziel auf seine Weise erreicht - und dafür schließlich mit seinem Leben bezahlt.


Interessant fand ich, daß einer der gravierendsten militärischen Mängel der Nordstaaten geeignete und fähige Generäle waren. Mehr als einmal haben Befehlshaber der Union die konföderierten Truppen geschlagen, dann aber versäumt, ihren flüchtenden Feinden nachzusetzen und sie endgültig zu schlagen. So hätte der Bürgerkrieg viel früher enden können.

 

Historisch interessierten Lesern mit ausreichenden Englischkenntnissen kann ich diese Lektüre empfehlen.

 


 

Dorothy Gill
Memories of World War II
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Wie Deutsche und andere Europäer den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, sei es als Soldaten an der Front oder als Zivilisten in der Heimat, dürfte inzwischen ziemlich bekannt sein, zumindest denjenigen, die sich dafür interessieren. Es hat in den letzten Jahren auch mehrere Fernseh-Serien gegeben, die diese Zeit aus amerikanisch-militärischer Sicht schildern. Aber wie ist es den Menschen in den USA ergangen? Das ist das Thema dieses Buches. Die Frau eines hochdekorierten amerikanischen Offiziers berichtet, wie sie ihn kennengelernt und geheiratet hat, und dann über die schlimmen Jahre der Trennung, während ihr Mann in Europa kämpfte. In ständiger Angst, wie so viele ihrer Bekannten, zur Kriegerwitwe zu werden, sorgte sie für ihre kleine Tochter und arbeitete als Lehrerin. Letzteres war damals für eine Mutter sehr ungewöhnlich.


Zwischendurch fügt sie immer wieder Briefe ihres Mannes ein und berichtet von Erfolgen, Mißerfolgen und natürlich auch von den Gefallenen der Infanterie-Einheit, in der ihr Mann kämpfte. Mit berechtigtem Stolz erzählt sie, wie er seine verschiedenen Orden und anderen Auszeichnungen bekam, wobei diese Dinge nie die Motivation seines Handelns gewesen sind. Auch, wenn das Wesentliche des Kriegsgeschehens sich weit vom Festland-Amerika abspielte, hatten die Amerikaner natürlich nach dem verheerenden Angriff der Japaner auf Pearl Harbor große Angst vor einer japanischen Invasion. Und die deutschen U-Boote vor der Ostküste waren natürlich auch eine reale Bedrohung. Dazu kommt noch, daß der Krieg auch in den USA viele Waren verknappte.


Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen und kann es jedem Interessierten mit ausreichenden Englischkenntnissen empfehlen. Gestört hat mich nur, daß die Verfasserin immer wieder die deutschen Soldaten pauschal als Nazis bezeichnet, was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Aber es kommen keinerlei antijapanische oder antideutsche Ressentiments zum Ausdruck. Im Gegenteil - das Buch enthält beispielsweise das Foto eines von Amerikanern getöteten deutschen Soldaten, und die Verfasserin zeigt echtes Mitgefühl für dessen Angehörige.

 


 

Janet Louise Stephenson
Who Gives Up Adorable Little Girls Anyway?
The Search for Our Biological Father
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Eine ganze Zeitlang wurden die beiden kleinen, zur Adoption freigegebenen, Schwestern von einer Familie zur anderen weitergereicht - aus Gründen, die sie nie erfahren würden. Endlich landeten sie bei einer "forever family", bei der sie dann auch blieben. Janet, die ältere der beiden, wollte auf keinen Fall auch diese Familie wieder verlassen müssen. Also setzte sie alles daran, zu gefallen, perfekt zu sein und nur ja keine Fehler zu machen. Das gelang ihr auch sehr gut. Erst als erwachsene, verheiratete Frau erkannte sie, daß sie nicht sie selbst war, sondern sich immer nur angepaßt hatte. Sie ließ sich scheiden. Und nun ließ sie sich endlich von niemand und nichts, auch nicht von der geliebten Adoptivmutter, mehr daran hindern, herauszufinden, wer ihre leiblichen Eltern waren. Vor allem bewegte sie die Frage, warum um alles in der Welt sie ihre so entzückenden kleinen Töchter hergegeben hatten.


Dieses Buch, das es leider (noch?) nicht in einer deutschen Übersetzung gibt, schildert den weiten Weg dieser Frau und ihrer Schwester zu ihrem leiblichen Vater und zu sich selbst. Es zeigt, wie wichtig es ist, daß Adoptivkinder auch ihre leiblichen Eltern kennenlernen und daß das nichts mit Undankbarkeit gegenüber den Adoptiveltern zu tun hat. Eine spannende, bewegende Lektüre!

 

 


Martin Pistorius
Als ich unsichtbar war
Die Welt aus der Sicht eines Jungen, der elf Jahre als hirntot galt
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Martin Pistorius, geboren 1975 in Johannisburg, war zwölf, als eine rätselhafte Erkrankung ihn aus seinem Leben riss. Elf Jahre blieb er gelähmt, seine Familie und die Ärzte gingen davon aus, dass er geistig auf dem Stand eines Babys war. Er konnte sich nicht verständigen und war doch innerlich hellwach. Niemand merkte, dass sein Gehirn sich vollständig erholt hatte. Seine Rettung verdankte er dem Zufall.


Das - und noch mehr - berichtet diese faszinierende Lebensgeschichte an ihrem Ende über den Verfasser. 2001 lernte er, mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren. Leider hatte er so gut wie alles vergessen, was vor seiner Erkrankung gewesen war - auch das meiste von dem, was er bis dahin gelernt hatte. So brachte er sich selbst das Lesen und Schreiben bei, was ihm sehr schwerfiel. Heute sitzt er immer noch im Rollstuhl und braucht Hilfe anderer Menschen, um seinen Alltag zu bewältigen. Aber er arbeitet als selbständiger Webdesigner in Großbritannien und ist nach eigenem Bekunden sehr glücklich verheiratet. Allerdings war der Weg bis dahin mühsam, schwierig und schmerzvoll. Seine Biografie nimmt den Leser mit hinein in diesen Kampf mit all seinen Frustrationen, Mißerfolgen und Enttäuschungen, aber auch mit der vielen Liebe, die der Verfasser von zahlreichen Menschen erfahren hat, und seinen höchst erstaunlichen Erfolgen. Ein fesselndes, mutmachendes Buch!

 


 

Eric Metaxas
Amazing Grace
William Wilberforce and the Heroic Campaign to End Slavery
New York: Harper One 2007

Eric Metaxas
Wilberforce: Der Mann, der die Sklaverei abschaffte
SCM Hänssler


Ich habe hier die Angaben zur englischen Originalausgabe und zur deutschen Fassung nebeneinandergestellt. Einmal, um niemanden vom Lesen dieser Rezension abzuschrecken, die sich auf den englischen Text bezieht. Und zum Anderen, um darauf hinzuweisen, daß der deutsche Titel wieder einmal ziemlich ungeschickt ist. Er erweckt den Eindruck, die Sklaverei sei mühelos mal eben so abgeschafft worden, sozusagen per Dekret. Nein, nein und nochmals nein! Der Kampf, um dieses Ziel zu erreichen, hat, wie es im Originaltitel richtig zum Ausdruck kommt, William Wilberforce praktisch sein ganzes Leben gekostet. Und seine Gesundheit dazu. Auch, wenn es scheinbar pathetisch klingt: Es war wirklich ein heroischer Kampf.


Es sind gleich mehrere Dinge, die diesen evangelikalen Briten, der im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert lebte, auszeichneten: Am auffälligsten war seine außergewöhnliche Rednergabe. Er konnte aus dem Stegreif lange Reden halten, die seine Zuhörer fesselten. Was er sagte, war schon mitreißend genug. Aber noch mehr war es die Art und Weise, wie er sprach. Diese Fähigkeit setzte er für Gottes Sache ein; zunächst für das Verbot des Sklavenhandels (die Sklaverei als solche war in Großbritannien bereits abgeschafft, aber leider nicht in den Kolonien in der Karibik, damals "Westindien" genannt), dann für die Durchsetzung dieses Verbots in der Praxis und schließlich für die Ächtung der Sklaverei insgesamt. Dabei hatte er es mit mächtigen und wohlhabenden Gegnern zu tun, die um ihre Pfründe kämpften.


Getrieben wurde er dabei von der für die damalige Zeit unerhörte Erkenntnis, daß alle Menschen als Geschöpfe Gottes die gleichen Rechte haben und daß deshalb sein Land mit dem schwunghaften und einträglichen Sklavenhandel eine ungeheure Schuld vor Gott auf sich lud. Und das, obwohl Großbritannien sich als ein christliches Land betrachtete. Wilberforce wußte um die schrecklichen Zustände, die auf den Schiffen herrschten, auf denen die Sklaven von Afrika in die Karibik transportiert wurden. Das Leiden dieser geschundenen Menschen machte ihm schwer zu schaffen.


Man sollte meinen, daß die Widerstände, auf die er traf, und die zähe Ausdauer, die ihn antrieb, ihn zu einem verbissenen, verkniffenen Menschen gemacht haben. Das Gegenteil war der Fall. Er war ein oft heiterer Mann, der gerne echt witzige Aussprüche machte und auch das Leben genießen konnte. Vor allem aber widerlegen sein Leben und sein Kampf das Vorurteil, die Evangelikalen würden die Menschen nur auf das Jenseits vertrösten und sich nicht oder zu wenig um ihr diesseitiges Wohlergehen kümmern.


Wie gesagt: Ich habe das englische Original gelesen, dessen anspruchsvolle Sprache ein Genuß ist. Ich hoffe, daß der Text der deutschen Ausgabe geschickter übersetzt ist als sein Titel. Denn inhaltlich kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen - besonders jungen Christen, die noch vor der Wahl stehen, wofür sie ihr Leben einsetzen wollen.

 


 

Eric Metaxas
BONHOEFFER
Pastor, Martyr, Prophet, Spy
Thomas Nelson, USA 2010


"Who are you to say that?" (Wer bist du, daß du das sagen darfst?) Diese Anmerkung fand ich in einem Buch, das ich vor fast vierzig Jahren einem Freund geliehen hatte. Es war in englischer Sprache geschrieben, und ich hatte an einer Stelle am Rand notiert "unbiblical" (unbiblisch). Ich weiß, daß mein Freund dieses Urteil teilte. Und dennoch hat mich seine Frage nachdenklich gemacht. Sie beschäftigt mich umso mehr jetzt, da ich mir anmaße, eine Rezension dieser Biografie über Dietrich Bonhoeffer zu schreiben. Wer bin ich, daß ich das tue? Gut, wenn es darum geht, dieses Buch als solches zu bewerten, mag das noch angehen. Aber wenn ich Dietrich Bonhoeffers Theologie nicht in allen Punkten teilen kann, steht mir diese Frage meines Freundes deutlich vor Augen: "Who are you to say that?"

Es war ein Versehen, daß ich die englische Originalversion bestellt habe. Aber ich habe es nicht bedauert. Nicht nur habe ich gegenüber der deutschen Version eine Menge Geld gespart. Darüber hinaus habe ich meine einrostenden Englischkenntnisse reaktivieren können. Und ich habe ungefiltert das Bild vermittelt bekommen, das sich ein wohl evangelikaler, junger Amerikaner von Dietrich Bonhoeffer gemacht hat. Über Eric Metaxas verrät das Buch, daß er ein sehr erfolgreicher Schrifsteller ist und an der renommierten Yale University studiert hat, aber leider nicht, was - das ist schon kurios! Er scheint recht gute Deutschkenntnisse zu besitzen, weil er die Quellen offenbar auf deutsch gelesen und Zitate selbst ins Englische übersetzt hat. Wenn er allerdings deutsche Wörter zitiert, dann oft mit erheblichen Fehlern.


Seine Darstellung der deutschen Geschichte und wie sie zum Nationalsozialismus geführt hat, erscheint mir an manchen Stellen doch arg holzschnittartig und undifferenziert zu sein. Mir scheint, daß er den Einfluß Luthers auf das Denken der Deutschen stark überschätzt. Sehr wertvoll finde ich dagegen seine historischen Erklärungen darüber, wie es zu dessen teilweise extrem antisemitischen Äußerungen kommen konnte, die später von den Nazis mißbraucht wurden.


Dietrich Bonhoeffer begegnet uns in diesem Buch als ein äußerst intelligenter und auch sonst vielseitig begabter Mann. Als jemand, der sein Leben rückhaltlos Jesus Christus zur Verfügung gestellt hat. Als jemand, der radikal und absolut konsequent das in die Praxis umgesetzt hat, was Er - zu Recht - unter "Nachfolge Jesu" verstanden hat. Und als jemand, der weitsichtig genug war, um von Anfang an zu erkennen, daß sich der Nationalsozialismus damit in keinster Weise vereinbaren ließ. Deshalb hat er schon sehr früh diese antichristliche Verführung als solche aufgedeckt und bekämpft, was ihn schließlich das Leben gekostet hat. Und das war kein Versehen oder Scheitern - er ist diesen Weg ganz bewußt gegangen. 1939 ermöglichten ihm Freunde die Flucht in die USA, wo er hätte Karriere machen können. Aber er hielt es dort nur vier Wochen aus - dann war er wieder bei seinen geistlichen Brüdern und Schwestern der Bekennenden Kirche.


Als Theologiestudent habe ich mir leider nicht die Zeit genommen, mich näher mit diesem großen Mann Gottes zu befassen. Ich begegnete ihm nur indirekt in Heinz Zahrnts Buch "Die Sache mit Gott". Als ich dort durch dessen Brille von Bonhoeffers "religionsloses Christentum" erfuhr, verband ich dies sofort mit dem, was zeitgenössische Theologen daraus gemacht haben: daß man politische, unbiblische Vorstellungen in biblische Begriffe hineininterpretiert und sie damit mißbraucht. Damit war Bonhoeffer für mich als "liberal" abgestempelt. Das war er aber nicht. Er hätte sich jedoch auch nicht als "evangelikal" eingeordnet, weil er auch an den Pietisten seiner Zeit berechtigte Kritik übte.


Ich kann unmöglich in diesem Rahmen seine Theologie insgesamt würdigen. Ich will nur ein Beispiel herausgreifen: Er sah die "Bekennende Kirche", die er immer wieder als zu inkonsequent und zu wenig mutig kritisierte, nicht als Abspaltung von der "wahren" Evangelischen Kirche in Deutschland, sondern umgekehrt. Die "Deutschen Christen" waren es, die den Boden des Evangeliums verlassen hatten und deshalb die Kirche spalteten. Das ist natürlich absolut richtig. Im Hinblick darauf hat er dann ja auch in einer Vorlesung in Finkenwalde den umstrittenen Satz gesagt, den Metaxas auf Englisch so zitiert:


Whoever knowingly separates himself from the Confessing Church in Germany separates himself from  salvation (Wer auch immer sich wissend von der Bekennenden Kirche in Deutschland trennt, trennt sich vom Heil).


Leider macht Metaxas keinerlei Angaben über den Zusammenhang dieses Zitats, sondern versucht, seine Bedeutung zu verharmlosen. Das ist eine Schwäche dieses Buches! Später erfahren wir jedoch, daß Bonhoeffer um der Klarheit willen des öfteren bewußt überspitzt und übertrieben formuliert hat - ich vermute, daß das auch hier der Fall war. Dennoch bleibt diese Ausdrucksweise fragwürdig.

Aus evangelikaler, nichtlutherischer Sicht noch viel befremdlicher ist, daß das Wort "Bekehrung" anscheinend nicht zu Bonhoeffers aktivem Wortschatz gehört hat. Der Verfasser versucht zwar, ein bestimmtes Ereignis als dessen Bekehrung zu identifizieren, aber ich halte das ebenfalls für fragwürdig. Damit will ich jedoch ganz und gar nicht behaupten, daß Bonhoeffer kein wiedergeborener Christ war - ganz im Gegenteil! Das hängt sicherlich mit seiner lutherischen Prägung zusammen: Er hat wahrscheinlich an die "Taufwiedergeburt" geglaubt. Deshalb war für ihn offenbar jeder Getaufte, der seinen Glauben ernstnahm, ein Kind Gottes, ein wiedergeborener Christ. Dennoch kann ich mir vorstellen, daß durch Seine lebendige, ansonsten klare Evangeliumsverkündigung so Mancher zu einer persönlichen Beziehung zum Herrn Jesus Christus gefunden hat. Metaxas zitiert eine Frau, die ihn in den Dreißigerjahren regelmäßig predigen gehört hat, mit den Worten:


When you saw him preaching ... you saw a young man who was entirely in God's grip (Wenn man ihn predigen sah, sah man einen völlig von Gott ergriffenen jungen Mann).

Muß ich wirklich noch sagen, daß ich dieses Buch wärmstens empfehlen kann? Mich hat lange keine Lektüre mehr so bewegt wie diese!




 

 

Ralf Becker
Als Kriegsgefangener in Sibirien
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Der Verfasser brachte fünf Jahre unter härtesten Bedingungen als Kriegsgefangener in verschiedenen Arbeitslagern in Sibirien zu. In dieser Zeit litt er unter meist härtester Arbeit, die täglich mindestens elf Stunden dauerte, bei äußerst knapper und schlechter Verpflegung und in völlig unzureichender und verschlissener Kleidung. Mindestens einmal wäre er dabei fast gestorben, und er erlebte den Tod vieler Kameraden. Schließlich durfte er dann aber doch in die Heimat zurückkehren.


Das besondere an diesem Bericht ist, daß er nur einen kurzen zeitlichen Abstand hat zu dem Geschehenen. Er ist sehr interessant zu lesen und jedem historisch Interessierten zu empfehlen, der sich nicht zu sehr an den vielen fehlenden Kommas stört.




Samuel Koch:
Zwei Leben
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Hatten Sie am Abend des 4. Dezember 2010 im Fernsehen das ZDF eingeschaltet, um "Wetten, daß?" zu sehen? Das war zumindest vorerst die letzte Sendung dieser Reihe, und selbst, wenn Sie, wie ich, sie sich nicht angeschaut haben, wissen Sie sicher auch, warum das so ist: Ein junger Mann namens Samuel Koch wettete, daß er innerhalb von vier Minuten mithilfe spezieller Sprungstelzen fünf Autos, die ihm entgegenfuhren, jeweils mit einem Salto überspringen konnte. Darauf hatte der durchtrainierte, sehr sportliche Mann sich mehrere Monate lang gründlich vorbereitet. Aber beim vierten Auto, ausgerechnet dem, das sein Vater lenkte, passierte das Unglück. Seitdem ist Samuel querschnittsgelähmt. Vom Kopf abwärts kann er nur noch das rechte Schultergelenk und einen kleinen Zeh bewegen.

Wie wird man mit so einer Situation fertig, besonders, wenn man bis dahin sein Leben lang fast ständig in Bewegung war? Hätte er diese Wette nicht besser bleiben lassen sollen? Auf diese und andere Fragen gibt der Verfasser mit der Hilfe eines erfahrenen Journalisten in diesem Buch entwaffnend und sympathisch ehrliche Antworten. Dabei weist er auch auf seine persönliche Beziehung zu Jesus hin, aber nie aufdringlich oder frömmelnd.

Man soll ja als Rezensent nie verraten, ob das zu besprechende Buch ein happy end hat. In diesem Fall tue ich es trotzdem und beantworte diese Frage mit einem eindeutigen Jein. Nein in dem Sinne, daß Samuel Koch immer noch im Rollstuhl sitzt und ohne Hilfe noch nicht einmal essen und trinken kann. Ja aber dennoch, weil er gleichwohl ein erfülltes Leben hat und ein froher und dankbarer Mensch ist.

Wenn Sie diese Buchbesprechung bis hierhin aufmerksam gelesen haben, dann erübrigt sich die Frage, ob ich dieses autobiografische Werk empfehlen kann.

 

 


Donna Gassett
Bompa -
The Life and Legacy of John Parschauer
Strongsville/Ohio (USA): Evergreen Communications 2012


"Schüler, behalten Sie das im Auge!" Diesen Satz habe ich als Bibelschüler in Brake (1971 - 1974) oft von John Parschauer gehört. Er war damals noch der Direktor dieses Glaubenwerkes, das er zusammen mit Ernest Klassen und Heinz Weber sen. gegründet hatte. Eine Aussage von ihm, die ich mehr als alle anderen tatsächlich bis heute, fast vier Jahrzehnte später, im Auge behalten habe, zeigt, wie wahrhaft demütig dieser große Mann Gottes war; immerhin war Brake schon die dritte reich gesegnete Bibelschule, die er gegründet hat. Und alle drei gibt es auch heute noch. Mehrmals sagte er sinngemäß: "Gott segnet diese Schule sehr. Aber Er könnte auch von heute auf morgen damit aufhören."


Zu den Dingen, die mir über ihn im Gedächtnis geblieben sind, gehört auch sein trockener Humor. Ich habe mich gewundert, folgende Anekdote, die er selbst erzählt hat, nicht in dieser von einer seiner Töchter verfaßten Biografie wiederzufinden: Eins seiner fünf Kinder sollte geboren werden. Als er seine Frau Maureen zur Entbindung ins Krankenhaus fahren wollte, hatte sie Schwierigkeiten, mit ihrem Babybauch ins Auto einzusteigen. Seufzend sagte sie: "O John, wie soll das erst werden mit fünfundachtzig?" Da antwortete er: "Keine Angst, so viele werden es nicht werden!"


Ebenso kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, daß er über sich selbst lachen konnte. Ich habe als Bibelschüler mehrmals seine Art, zu sprechen, parodiert, vor allem natürlich seinen amerikanischen Akzent. Das durfte ich auch in seiner Gegenwart öffentlich tun. Einmal hat er aber den Spieß umgedreht und nun seinerseits meine Parodie parodiert ...


Bevor aus dieser Buchbesprechung noch eine Art Mini-Biografie wird, gehe ich jetzt doch lieber noch etwas mehr auf das Buch ein. Wie der Titel unschwer erkennen läßt, ist es auf Englisch abgefaßt. Trotzdem konnte ich es fast nicht aus der Hand legen und habe es in kürzester Zeit verschlungen. Es ist äußerst liebevoll geschrieben. Und obwohl natürlich John Parschauers Stärken und seine Vorbildlichkeit im Mittelpunkt stehen, wird doch deutlich, daß das geistliche Früchte waren, die der Heilige Geist in und an ihm hat wachsen lassen.

Geboren als Kind deutschstämmiger Eltern in der Ukraine, führte ihn sein Weg bald ins Land seiner Väter. Von dort aus wanderte die Familie nach Kanada aus. Aber Jahre später führte Gott ihn zurück nach Deutschland, dieses Mal mit seiner eigenen Familie. Welche Opfer das für ihn und seine Lieben bedeutet haben muß, das ist mir erst bewußtgeworden, als mich selbst als Missionar der "große Teich" von meinen Verwandten und Freunden trennte.


Am meisten beeindruckt hat mich in seiner Biografie der letzte Teil: Nicht lange, nachdem er seine geliebte Frau Maureen verloren hatte, erlitt er einen schweren Schlaganfall. Seitdem konnte er seine rechte Hand nicht mehr benutzen, vor allem aber fast nicht mehr sprechen. Sein Leben lang hatte er in großem Segen gepredigt, gelehrt und gesungen, und jetzt konnte er nur noch "Thank you" sagen! Seine Tochter verschweigt nicht, daß er deswegen dunkle Stunden hatte. Meistens aber strahlte er und war deshalb ein großes Zeugnis in dem Pflegeheim, in dem er seitdem versorgt wurde. Manche Menschen empfanden seine bloße Gegenwart als heilsam und lebenverändernd. Hier fällt mir spontan der Satz ein: "Das Alter ist nichts für Weichlinge." Jetzt habe ich aber fast schon zuviel vorweggenommen!


Überflüssig, zu sagen, daß ich dieses Buch warm empfehlen kann, jedenfalls jedem, der der englische Sprache mächtig genug ist, um es zu lesen und zu verstehen. Und daß ich sehr hoffe, daß es auch ins Deutsche übersetzt und hier bei uns veröffentlicht wird. Ich vermute nämlich, daß John Parschauer im deutschsprachigen Raum noch bekannter ist als in Nordamerika. Diese Biografie zeigt, was Gott aus einem Menschen machen kann, der Ihm vorbehaltlos vertraut und gehorcht.


Inzwischen ist die deutsche Übersetzung dieses Buches erschienen unter dem Titel "Gehe in den Weinberg". Sie kann bezogen werden per E-Mail: rezeption@bibelschule-brake.de (Kosten: 10.- € inkl. Porto)

 

 


Ernst Modersohn
Er führet mich auf rechter Straße


Holzgerlingen: Hänssler 2008

Der Buchtitel weist schon darauf hin, daß die Sprache dieser Autobiographie etwas gewöhnungsbedürftig ist. Aber wer sich davon nicht abschrecken läßt (was sehr schade wäre!), der entdeckt dahinter das reiche, echte, vorbildliche geistliche Leben des Verfassers.

Als Ernst Modersohn 1870 in Westfalen in einfache Verhältnisse hineingeboren wurde, da hätte es wohl niemand für möglich gehalten, daß aus diesem Kind einmal ein ganz großer Mann Gottes werden würde. Niemand in seiner Familie hatte eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Daß Ernst schließlich Theologie studierte und Pfarrer wurde, das hatte rein wirtschaftliche Gründe. Ich will nicht zu viel verraten, aber man kann sich ja denken, daß er dann doch noch zum persönlichen Glauben kam. Mit seiner schlichten, aber sehr vollmächtigen Verkündigung, seinem Herz für die Verlorenen, seiner seelsorgerlichen Befähigung, seiner schriftstellerischen Gabe und seinem Blick für das Volk Gottes, das sich in den verschiedensten Kirchen, Gemeinschaften und Gemeinden findet, wurde er unzähligen Menschen zu einem großen Segen, und das weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Eins verrate ich doch, und zwar das, was mich am meisten bewegt hat: Er erzählt von seinem Sohn Werner, der ein ganz besonderes Kind war, das schon mit viereinhalb Jahren eine klare Bekehrung erlebte. Der Junge entwickelte in kürzester Zeit ein rasantes geistliches Wachstum und eine Reife auf diesem Gebiet, die so mancher Andere sein Leben lang nicht erreicht. Umso schmerzhafter muß es für die Eltern gewesen sein, daß er schon als kleiner Junge durch eine schwere Krankheit von ihnen genommen wurde. Modersohn schreibt dazu:

Aber steht auch dieses Kapitel unter der Überschrift: Er führet mich auf rechter Straße? Ja, auch dieses! Gott macht keine Fehler.


Da liegt es ja wohl auf der Hand, daß ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen kann.

 

 

Johannes H. Klement
Er-lebt
Menschen begegnen
Gott erleben
Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft 2011


Dies ist eine Art fragmentarische Biografie meines Braker Bibelschulklassenkameraden. Er erzählt, was er mit Gott und Menschen erlebt hat. Er hat zwanzig Jahre als Missionar in Brasilien gearbeitet, danach in der Missionszentrale in Deutschland und ist jetzt Pastor in Erlangen. Er nimmt uns hinein in seine Fragen und sein Suchen, aber auch in viele Begegnungen mit Menschen und Erlebnisse mit Gott, die das Herz berühren. Eine echt empfehlenswerte Lektüre!

 


 

Ingeborg Jacobs
Wolfskind
Die unglaubliche Geschichte des ostpreußischen Mädchens Liesabeth Otto

Berlin: List 2011/2


Sieben Jahre alt war Liesabeth, als ihre Mutter mit ihr und ihren beiden Geschwistern aus Wehlau in Ostpreußen in den Westen floh. Sie kamen nur bis Danzig, denn da starb die Mutter. Den Kindern wurde geraten, in die Heimat zurückzukehren, und das taten sie auch. Dort wurde das kleine Mädchen dann auch noch von den älteren Geschwistern getrennt und kam dann nach Litauen, wo sie - wie so manche andere ostpreußische Kinder auch - als "Wolfskind" im Wald lebte und sich durch Betteln, Stehlen und Arbeiten für die Bauern über Wasser hielt. Was hätte sie gegeben oder getan für ein anerkennendes Wort oder eine liebe Geste! Aber sie war ja eine der verhaßten Deutschen. Sie lernte aber schnell litauisch und nahm einen litauischen Namen an. Trotzdem hatte sie es immer sehr schwer. Schließlich wurde sie beim Stehlen erwischt und landete in einem sowjetischen Straflager, wo sie auch vergewaltigt und mißhandelt wurde und natürlich sehr hart arbeiten mußte.


Später fand sie dann doch noch ihren Vater und ihren Bruder wieder (die Schwester war schon 1948 verhungert) und wanderte sogar nach Deutschland aus mit ihrer Tochter. Da hielt sie es aber - aus verständlichen Gründen - nicht lange aus und kehrte in die damalige Sowjeitunion zurück, ins ehemalige Ostpreußen. Damit war ihre Leidensgeschichte aber noch lange nicht zuende.


Es ist bewundernswert, daß diese Frau sich trotz allem, was sie durchmachen mußte, ihren Lebensmut, ihre Güte und ihre Hilfsbereitschaft bewahrt hat. Ich kann auch dieses Buch warm empfehlen.

 

 


 

Hans-Burkhard Sumowski
"Jetzt war ich ganz allein auf der Welt"
Erinnerungen an eine Kindheit in Königsberg 1944 - 1947

München: btb-Verlag 2009


Als Achtjähriger erlebte der Verfasser in Königsberg den Zusammenbruch des Hitlerreiches und die Invasion der Sowjets. Der Vater war als Soldat in Norwegen, die Mutter schwanger. Deshalb blieb sie mit ihren Eltern und ihrem Sohn ganz bewußt in Königsberg, weil sie sich in ihrem Zustand nicht auf die Flucht begeben wollte. So kam sein kleiner Bruder Siegbert zur Welt, aber er starb bald. Dann nahm sich die Großmutter das Leben. Seine Mutter wurde mehrfach von russischen Soldaten vergewaltigt und starb ebenfalls. Nun war "Bullerchen", wie er in seiner Familie genannt worden war, ganz auf sich selbst gestellt und mußte sich durchschlagen. Das gelang, wenn auch unter vielen Entbehrungen, vor allem ständigem Hunger. Er erlebte dann aber auch viel Hilfsbereitschaft, zu seiner Überraschung gerade auch von Russen.


Dieses Buch hat mich bestärkt in meiner Überzeugung, daß die Generation, die in den Dreißigerjahren geboren ist, am meisten unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen gelitten hat, weil er sie ihrer Kindheit beraubt hat und sie das Schreckliche, was sie erlebten und beobachteten, nicht einordnen oder verstehen konnten.


Ich habe dieses Buch in weniger als zwei Tagen verschlungen und kann es allen geschichtlich Interessierten sehr empfehlen.

 

 

 

Richard und Brigitte Straube
Was für ein Herr!

Erlebnisse und Erfahrungen mit dem lebendigen Gott
Lahr: Johannis-Verlag 2009


Dieses Mal sage ich es gleich am Anfang: Ich kann dieses Buch warm empfehlen! Es ist herzerfrischend, zu lesen, wie dieses Ehepaar zum Glauben kam und dann geistlich gewachsen ist, indem sie beide miteinander immer wieder neue Gehorsamsschritte machten. So haben sie den Evangeliumsrundfunk mitaufgebaut und haben dort sehr segensreich gearbeitet. Aber dann wurden sie in einen ganz anderen Dienst geführt: 1970 gründeten sie den Verein "help center e.V.". Sie konnten ein Haus im hessischen Vogelsberg erwerben, um dort junge Menschen in besonderen Krisensituationen aufzunehmen und ihr Leben mit ihnen zu teilen. Dadurch fanden viele Orientierungslose, Verzagte und Gescheiterte einen neuen Lebensstil, in dem Jesus Christus im Mittelpunkt steht.


Das Erstaunliche ist, daß Gott auch hier durch sie großen Segen bewirken konnte, obwohl sie weder theologisch noch sozialpädagogisch noch psychologisch ausgebildet sind. Ihre Liebe zu Jesus und zu den Menschen, ihr kindliches Gottvertrauen, ihre Hingabe und Aufopferungsbereitschaft und ihr authentisches, glaubwürdiges gelebtes und gesprochenes Zeugnis - das sind wohl die Zutaten des Geheimnisses ihres Dienstes. Sie würden das, was ich jetzt sage, mit Sicherheit bestreiten, aber ich bin davon überzeugt, daß Gott sie für diese Arbeit auch in ganz besonderer Weise begabt hat.


Es ist also, wie gesagt, ein sehr lesenswertes Buch.

 

 


Heribert Schwan
Die Frau an seiner Seite
Leben und Leiden der Hannelore Kohl

München: Wilhelm-Heyne-Verlag 2011


Dies ist schon die zweite Biografie über die Frau des früheren Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl. Die erste erschien 2002, verfaßt von Dona Kujacinski und Peter Kohl (dem Sohn) unter dem Titel "Hannelore Kohl" und ist vergriffen.


Hannelore Kohl war aus schlechter Erfahrung Journalisten gegenüber sehr mißtrauisch, aber der Verfasser dieser Biografie konnte ihr Vertrauen gewinnen. Sein Werk liest sich sehr gut und ist hochinteressant.


Als ich Frau Kohl im Fernsehen erlebte, war ich fasziniert von ihrer Ausstrahlung, ihrem Charme und ihrer Schlagfertigkeit. Ich fragte mich damals, ob sie das Amt des Bundeskanzlers nicht noch wesentlich besser ausgefüllt hätte als ihr Mann. Aber in diesem Buch erfuhr ich, daß sie sich für Politik überhaupt nicht interessierte - es sei denn, sie berührte sie oder ihre Familie unmittelbar, wie z.B. die Schulpolitik.

Sie erblickte im Jahr 1933 in Berlin das Licht der Welt, wuchs aber in Leipzig auf. Ihr Vater war ein sehr erfolgreicher Kaufmann, so daß sie großen Wohlstand genießen durfte - jedenfalls bis in den Krieg hinein. Alles endete abrupt dadurch, daß ihr Elternhaus im Bombenkrieg zerstört wurde und damit fast alles, was die Familie besaß. Schon vorher erlebte sie unschreibliches, traumatisierendes Leid, wenn sie als Schülerin die ankommenden Züge mit Flüchtlingen und Soldaten betreuen mußte. Viele kamen erfroren an, andere Landser hatten schreckliche Verstümmelungen. Aber noch viel schlimmer war, daß sie als Zwölfjährige mehrfach von sowjetischen Soldaten vergewaltigt und auch verletzt wurde. Weder von ihrer Mutter noch von irgend einem anderen Menschen erhielt sie irgendwelche Hilfen, um damit fertigzuwerden; deshalb verdrängte sie das schreckliche Erlebte.


In Ludwigshafen lernte sie Helmut Kohl kennen und lieben. Der machte eine steile Karriere als Politiker, was ihr eigentlich gar nicht recht war. Und hier begegnet uns wieder der unsympathische Altkanzler. Immer wieder traf er einsame Entscheidungen, die die gemeinsame Zukunft betrafen. Manchmal erfuhr sie davon aus den Medien. Er wußte auch, wie sehr sie den Sommerurlaub am Wolfgangsee haßte, der kaum Erholung, aber viele Fototermine mit der Presse brachte. Aber er nahm keinerlei Rücksicht darauf. Und sie fügte sich und unterstützte ihren Mann mit all ihrer Kraft. Eine bewundernswerte Frau, von deren Freundlichkeit, Umgänglichkeit und Hilfsbereitschaft frühere Hausangestellte und sonstige Mitarbeiter noch heute schwärmen.


Sehr aufschlußreich ist das Buch im Hinblick auf die Umstände, die zu ihrem Suizid 2001 führten. Wahrscheinlich hatte sie gar keine Lichtallergie, sondern sehr schwere Depressionen. Ausgelöst wurden sie durch die Spendenaffäre ihres Mannes und die daraus resultierenden Gehässigkeiten, die auch sie trafen, obwohl sie dafür ja wirklich nichts konnte. Dazu kam wohl, daß die verdrängten Traumata der Jugend jetzt umso heftiger in ihr hochkamen. Und noch eins, was ihr Sohn in seiner eigenen Biografie nur andeutet: Sie erfuhr von der langjährigen Liebesbeziehung ihres Mannes mit dessen jetziger Ehefrau.


Wer sich für die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts interessiert, wird dieses Buch mit großem Gewinn lesen, auch wenn er nicht von Hannelore Kohl fasziniert ist wie ich. Kann gut sein, daß er es beim Lesen doch noch wird.


Ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit den Kohl-Brüdern zeigt, daß sie Manches anders sehen als der Verfasser dieser Biografie. Das tut aber meines Erachtens der Würdigung ihrer Mutter in diesem Buch keinen Abbruch.

 


 

Walter Kohl
Leben oder gelebt werden - Schritte auf dem Weg zur Versöhnung

München: Integral 2011


"Der Sohn vom Kohl" (Ex-Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl) zu sein und nicht einfach Walter Kohl - darunter hat der ältere der beiden Kohl-Söhne jahrzehntelang gelitten. Immer wieder machten Menschen ihn für die Politik seines Vaters verantwortlich; Ablehnung, Haß und sogar tätliche Angriffe hat ihm das vom ersten Schultag an eingebracht. Dazu kam, daß sein Vater sich so gut wie nicht um seine Kinder gekümmert hat. Immer wieder findet man in dieser Biografie den Hinweis, Kohls Familie seien nicht seine Frau und seine Söhne gewesen, sondern die CDU.


Walter Kohl hat dieses Buch als eine Art Befreiungsschlag geschrieben, um sich aus der letztlich auch selbstgewählten Opferrolle zu lösen. Man spürt beim Lesen, daß ihm das gelungen ist. Er hat sich versöhnt, vor allem mit seiner Herkunft und seiner Biografie. Obwohl sein Vater mit ihm gebrochen hat, weil er aus seiner Untertanenrolle gegenüber dem Machtmenschen Helmut Kohl (das sind meine, nicht seine Worte!) ausgebrochen ist, ist dieses Buch in keinster Weise eine Abrechnung mit dem Übervater. Er zeigt sogar sehr viel Verständnis für ihn. Trotzdem begegnet man dem Privatmann Helmut Kohl hier sehr persönlich, und mir ist er dadurch ziemlich unsympathisch geworden. Ich bin davon überzeugt, daß wir unter anderem ihm die Wiedervereinigung Deutschlands verdanken; das ist seine große Leistung als Politiker. Aber zumindest als Vater hat er fast völlig versagt, und das, was man heute soziale Kompetenz nennt, besitzt er entweder nicht oder setzt es fast nur berechnend ein.


Ich habe das 273 Seiten lange Buch, dessen Gedankengänge sehr tiefgründig sind, in wenigen Tagen gelesen; zum einen, weil ich es nur schwer aus der Hand legen konnte, und zum anderen, weil es in einem sehr flüssigen, gut lesbaren Stil geschrieben ist.

Walter Kohl ist bekennender, praktizierender Katholik, aber vermutlich kein Christ im evangelikalen Sinn. Dennoch können wir von ihm und seinem Werdegang lernen, beispielsweise die Versöhnung mit der eigenen Biografie, und Menschen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind, obwohl sie diese Schuld nicht einsehen, geschweige denn dafür um Vergebung bitten. Deshalb kann ich dieses Buch warm empfehlen.


Ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit den Kohl-Brüdern zeigt, daß die Söhne inzwischen wieder Kontakt mit ihrem Vater haben. Das finde ich sehr erfreulich!

 

 


Helmut Thielicke
Zu Gast auf einem schönen Stern - Erinnerungen aus meinem Leben

Gießen/Basel: Brunnen 2007


Dieses Buch war Teil meiner Urlaubslektüre 2009, und obwohl es 536 Seiten umfaßt, habe ich es verschlungen und sehr bedauert, daß es nicht noch länger ist. Theologen schreiben ja oft in einem hölzernen, unnatürlichen und umständlichen Deutsch, das für Laien nur schwer zu verstehen ist, was aber oft leider nur gut so ist, denn so richten ihre Machwerke weniger Schaden an. Helmut Thielicke hat nicht dazugehört. Man kann ihn wohl kaum einen bibeltreuen Theologen nennen, aber man spürt diesem Buch ganz stark seine persönliche Glaubensbeziehung zum Herrn Jesus ab. Ganz besonders im letzten Absatz leuchtet sie auf wie ein heller Stern.

Faszinierend und vorbildlich ist die Art und Weise, wie er mit anderen Menschen umgegangen ist. Umso mehr spürt man ihm ab, wie sehr ihn verletzt hat, was er von den sogenannten "Achtundsechzigern" in den Studentenrevolten einstecken mußte. Überhaupt nimmt Thielicke den Leser so erfrischend natürlich, ehrlich und echt auf die lange und ereignisreiche Reise seines Lebens mit, daß  man mit ihm fühlt, mit ihm bangt und sich mit ihm freut.


Auch, wenn ich seine Theologie längst nicht in allen Punkten unterschreiben könnte, kann ich dieses Buch doch warm empfehlen, auch für Nichttheologen.

 

 

 

Uwe Holmer
Der Mann, bei dem Honecker wohnte

Holzgerlingen: SCM Hänssler 2009


Eine Nacht verändert ein Land. Am 9. November 1989 fällt die Mauer ... . Die Ära Honecker ist beendet. Kurze Zeit später wird Pastor Uwe Holmer angefragt, ob er Erich Honecker und seine Frau Morgot aufnehmen kann. Nach Beratung mit seiner Frau und den leitenden Mitarbeitern von Lobetal faßt Uwe Holmer mit seiner Familie den Entschluß: Sie beherbergen den bisherigen Gegener der Kirche ... zehn Wochen in ihrem Pfarrhaus. Packend schilderd Uwe Holmer diese Wochen - auch die Angriffe von außen. Er schreibt in seiner Biografie über seine Kindheit und Jugend. Über sein Leben in der DDR - mit vierzig Jahren Planwirtschaft und Stasi-Bespitzelung. Und über den Wind der Veränderung, der sich nach der Wiedervereinigung Bahn bricht.


So weit der - leicht gekürzte Klappentext, der sehr gut zusammenfaßt, um was es in diesem Buch geht. Ich werde wohl nie vergessen, wie kurz nach der Wiedervereinigung in einer christlichen Konferenz mit Gläubigen aus beiden Teilen Deutschlands ein leitender Bruder aus Westdeutschland Gott dankte, daß jetzt auch jenseits des früheren Eisernen Vorhangs wieder das Evangelium verkündigt werden durfte. Selbst mich als "Wessi" berührte das seltsam, weil ich Verwandte habe, die auch vor dem Fall der Mauer dort mutig ihren Glauben bezeugt haben. Mit welchen Schwierigkeiten das verbunden war, das wird in diesem Buch sehr anschaulich.


Mich persönlich hat beim Lesen nur gestört, daß Uwe Holmer so oft vom "fröhlichen Christsein" spricht sozusagen als Norm. Vielleicht versteht er ja etwas anderes unter "fröhlich" als ich. Ich lache auch gerne, aber das kann kein Dauerzustand sein.


Abgesehen davon kann ich auch dieses Buch sehr empfehlen.

 

 

 

 

Lothar von Seltmann
Gottes Raben fliegen noch

Wuppertal: R. Bockhaus 2006


Aufgewachsen im Spannungsverhältnis zwischen gläubigem Elternhaus auf der einen und den Lehren des NS-Regimes auf der anderen Seite, wird der Gymnasiast Erhard Schneider schon mit 15 Jahren als Flakhelfer einberufen und gerät bald darauf in englische Gefangenschaft. Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes sucht er neue Orientierung für sein Leben und findet nach manchen Irrwegen zum Glauben an Jesus Christus.


Auf ein Theologiestudium folgt eine abwechslungsreiche Berufstätigkeit, zunächst in Kirche und Verlagswesen, später als Religionspädagoge im In- und Ausland.In Paraguay leistet er - inzwischen verheiratet und Vater einer siebenköpfigen Familie - eine umfassende Schul-Aufbauarbeit unter Mennoniten und übernimmt schließlich ein Pfarramt in Kanada. Im Alter von 55 Jahren folgt er mit seiner Frau einem schon lange verspürten Ruf in die Missionsarbeit: Die beiden ziehen nach Indonesien, wo Schneider bis zu seiner Pensionierung als Dozent an einer Bibelschule des WEC (Weltweiter Einsatz für Christus) tätig ist.


Wer, wie ich, gerne Biografien liest, dem sei auch dieses Buch ans Herz gelegt. Die Generation, die von dem berichten kann, was Gott in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges und den Nachkriegsjahren an ihnen und durch sie getan hat, wird ja bald ausgestorben sein. Bewegend fand ich auch die schonungslos aufrichtige Schilderung eines schweren persönlichen Versagens des Autors, als er längst im vollzeitlichen Dienst war, und wie Gott ihn wieder zurechtgebracht hat.

 

 

 

Lothar von Seltmann
Miluscha

Wuppertal: R. Brockhaus 2005


Am Nachmittag bedeutete der Sterbende seiner Elsa, sie möge ihn etwas aufrichten und alle Kinder an sein Lager bringen. Karl schien hellwach. Auf seinem Gesicht lag ein merkwürdiger Glanz in einem sanften Lächeln. Mit schwacher, aber doch kräftiger Stimme nannte der Vater seine sieben Kinder alle noch einmal deutlich mit Namen. Mit letzter Kraft hob er seine Hand zum Segen für seine Lieben. Seinem Liebling Miluscha strich er sogar noch einmal übers Haar.

"Sorgt nicht, sorgt nicht, für euch wird gesorgt. Der Vater im Himmel bleibt!" Das waren seine letzten Worte.


Das ist der Schlüsselabschnitt dieser Biografie, die, wie der Buchtitel schon anzeigt, Miluscha auf ihrem bewegenden, gewundenen, spannenden Lebensweg mit viel Auf und Ab begleitet. Geboren und aufgewachsen in der Ukraine, wird sie in den Dreißigerjahren mit ihrer Familie deportiert und zur Zwangsarbeit verurteilt. Nach dem Krieg gelingt ihr die Flucht in den Westen. Auch die Jahre danach sind nicht immer leicht für die junge Frau. Aber immer wieder erinnert sie sich an das Vermächtnis ihres geliebten Vaters, das sich gerade in den dunkelsten Stunden ihres Lebens bewahrheitet. Auch in der Fremde erfährt Miluscha Geborgenheit und Liebe bei Menschen, die ihr eine neue Heimat geben.


An die etwas altertümlich anmutende Ausdrucksweise dieses Buches mußte ich mich erst gewöhnen. Aber dann liest es sich sehr gut. Es ist ein eindrucksvolles, ermutigendes und glaubensstärkendes Zeugnis der Treue Gottes, der Seine Kinder auch in schweren Zeiten führt, bewahrt, versorgt, segnet und zum Segen setzt für andere Menschen, wenn sie Ihm vertrauen und gehorchen.

 

 

 

Denise Chong
Das Mädchen hinter dem Foto - Die Geschichte der Kim Phuc

Basel: Brunnen 2005


Im Sommer 1972, als der Vietnamkrieg tobt, geht ein Foto um die Welt, das jeden Betrachter tief erschüttert: Ein neunjähriges südvietnamesisches Mädchen, das sich die von Napalmbomben entzündeten Kleider vom Leib gerissen hat, rennt schreiend auf die Kamera zu.


In Denise Chongs Buch wird die Geschichte hinter diesem Foto authentisch, spannend und sensibel erzählt. Bewegend ist vor allem, wie Kim Phuc zum Glauben an Jesus Christus kam und dadurch den Menschen vergeben konnte, die ihr das und vieles andere angetan haben. Das Buch ist ein starkes, eindruckvolles Zeugnis der Gnade und Vergebung.

 

 

 

Stephan Holthaus (Hrsg.):
Doyle Klaassen: Ein Leben im Dienst für Gott

Hammerbrücke: jota-Publikationen 2007


Als ich nach meinem Missionsdienst in Haiti wieder einmal in der Bibelschule Brake zu Besuch war, wo ich Jahre zuvor eine gute, sehr wertvolle Ausbildung genossen hatte, sprach ich den damaligen Schulleiter Doyle Klaassen an. Ich dankte ihm dafür, daß er seine Heimat in Kanada hinter sich gelassen hatte, um im für ihn ursprünglich so fremden (und mittlerweile so vertrauten) Deutschland zu helfen, jungen Gläubigen zu ermöglichen, die Bibel intensiv kennenzulernen und sich für den Dienst für Gott zurüsten zu lassen. Ich sagte ihm, was dieses Opfer für ihn und seine Frau bedeutet haben muß, das sei mir erst bewußt geworden, als ich selbst in einer fremden Kultur als Missionar diente. Er sagte, nicht nur mir sei es so gegangen.


Dies zeigt auch, wie gut er sich der deutschen Kultur angepaßt hatte und wie gut sein Deutsch war und ist (seine deutschen Rundbriefe sind immer noch druckreif!). Viele seiner früheren Kollegen, aber auch ehemalige Bibelschüler und andere Freunde berichten hier über sein Leben. Er war ja Nachfolger des ersten Leiters und Mitbegründers, John Parschauer, der bereits beim Herrn ist. Er stand diesem so gesegneten Werk von 1978 bis 2007 vor. Im letzten Teil berichtet er auch selbst.


Diese Biografie ist nicht nur den vielen, vielen Menschen zu empfehlen, die ihn persönlich kennen und - wie ich - von seinem Dienst profitiert haben. Es ist das Gott verherrlichende Zeugnis über einen Mann, der sein ganzes Leben kompromißlos in den Dienst für Gott gestellt hat und den Gott auf beeindruckende Weise gebraucht hat und noch gebraucht.


Schade finde ich nur, daß der "Klappentext" von diesen Dingen in der Vergangenheitsform spricht, als sei er schon tot. Er ist zwar im Ruhestand und lebt mit seiner Frau wieder in seiner kanadischen Heimat, aber er ist immer noch sehr aktiv und unter anderem regelmäßig auch  in Brake als Gastlehrer tätig.

 

 

Reinhold Kerstan
Ein deutscher Junge weint nicht - Erinnerungen an damals

Wuppertal / Kassel: Oncken 1981


Dieses Buch habe ich einmal einem gläubigen amerikanischen Freund geliehen, um ihm zu helfen, besser zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, daß so viele Jünger Jesu in der Nazizeit die Zeichen der Zeit nicht erkannten und zu Mitläufern wurden. Er sagte, das habe ihm sehr geholfen. Es geht nicht darum, zu rechtfertigen, sondern zu verstehen.

Reinhold Kerstan wuchs als Pastorensohn auf und geriet dadurch mehr und mehr in eine Zerreißprobe zwischen den christlichen Werten seines Elternhauses und dem immer mehr überhandnehmenden Nationalsozialismus. Das beschreibt er in diesem Buch, ebenso, wie er den Krieg und die Nachkriegszeit erlebte.

Das Buch ist wohl schon lange vergriffen (leider!), aber antiquarisch noch zu akzeptablen Preisen zu bekommen.