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Biografien

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Johannes H. Klement
Er-lebt
Menschen begegnen
Gott erleben

Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft 2011

Dies ist eine Art fragmentarische Biografie meines Braker Bibelschulklassenkameraden. Er erzählt, was er mit Gott und Menschen erlebt hat. Er hat zwanzig Jahre als Missionar in Brasilien gearbeitet, danach in der Missionszentrale in Deutschland und ist jetzt Pastor in Erlangen. Er nimmt uns hinein in seine Fragen und sein Suchen, aber auch in viele Begegnungen mit Menschen und Erlebnisse mit Gott, die das Herz berühren. Eine echt empfehlenswerte Lektüre!

 

 

Ingeborg Jacobs
Wolfskind
Die unglaubliche Geschichte des ostpreußischen Mädchens Liesabeth Otto

Berlin: List 2011/2

Sieben Jahre alt war Liesabeth, als ihre Mutter mit ihr und ihren beiden Geschwistern aus Wehlau in Ostpreußen in den Westen floh. Sie kamen nur bis Danzig, denn da starb die Mutter. Den Kindern wurde geraten, in die Heimat zurückzukehren, und das taten sie auch. Dort wurde das kleine Mädchen dann auch noch von den älteren Geschwistern getrennt und kam dann nach Litauen, wo sie - wie so manche andere ostpreußische Kinder auch - als "Wolfskind" im Wald lebte und sich durch Betteln, Stehlen und Arbeiten für die Bauern über Wasser hielt. Was hätte sie gegeben oder getan für ein anerkennendes Wort oder eine liebe Geste! Aber sie war ja eine der verhaßten Deutschen. Sie lernte aber schnell litauisch und nahm einen litauischen Namen an. Trotzdem hatte sie es immer sehr schwer. Schließlich wurde sie beim Stehlen erwischt und landete in einem sowjetischen Straflager, wo sie auch vergewaltigt und mißhandelt wurde und natürlich sehr hart arbeiten mußte.

Später fand sie dann doch noch ihren Vater und ihren Bruder wieder (die Schwester war schon 1948 verhungert) und wanderte sogar nach Deutschland aus mit ihrer Tochter. Da hielt sie es aber - aus verständlichen Gründen - nicht lange aus und kehrte in die damalige Sowjeitunion zurück, ins ehemalige Ostpreußen. Damit war ihre Leidensgeschichte aber noch lange nicht zuende.

Es ist bewundernswert, daß diese Frau sich trotz allem, was sie durchmachen mußte, ihren Lebensmut, ihre Güte und ihre Hilfsbereitschaft bewahrt hat. Ich kann auch dieses Buch warm empfehlen.

 

 

Hans-Burkhard Sumowski
"Jetzt war ich ganz allein auf der Welt"
Erinnerungen an eine Kindheit in Königsberg 1944 - 1947

München: btb-Verlag 2009

Als Achtjähriger erlebte der Verfasser in Königsberg den Zusammenbruch des Hitlerreiches und die Invasion der Sowjets. Der Vater war als Soldat in Norwegen, die Mutter schwanger. Deshalb blieb sie mit ihren Eltern und ihrem Sohn ganz bewußt in Königsberg, weil sie sich in ihrem Zustand nicht auf die Flucht begeben wollte. So kam sein kleiner Bruder Siegbert zur Welt, aber er starb bald. Dann nahm sich die Großmutter das Leben. Seine Mutter wurde mehrfach von russischen Soldaten vergewaltigt und starb ebenfalls. Nun war "Bullerchen", wie er in seiner Familie genannt worden war, ganz auf sich selbst gestellt und mußte sich durchschlagen. Das gelang, wenn auch unter vielen Entbehrungen, vor allem ständigem Hunger. Er erlebte dann aber auch viel Hilfsbereitschaft, zu seiner Überraschung gerade auch von Russen.

Dieses Buch hat mich bestärkt in meiner Überzeugung, daß die Generation, die in den Dreißigerjahren geboren ist, am meisten unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen gelitten hat, weil er sie ihrer Kindheit beraubt hat und sie das Schreckliche, was sie erlebten und beobachteten, nicht einordnen oder verstehen konnten.

Ich habe dieses Buch in weniger als zwei Tagen verschlungen und kann es allen geschichtlich Interessierten sehr empfehlen.

 

 

Richard und Brigitte Straube
Was für ein Herr!

Erlebnisse und Erfahrungen mit dem lebendigen Gott
Lahr: Johannis-Verlag 2009

Dieses Mal sage ich es gleich am Anfang: Ich kann dieses Buch warm empfehlen! Es ist herzerfrischend, zu lesen, wie dieses Ehepaar zum Glauben kam und dann geistlich gewachsen ist, indem sie beide miteinander immer wieder neue Gehorsamsschritte machten. So haben sie den Evangeliumsrundfunk mitaufgebaut und haben dort sehr segensreich gearbeitet. Aber dann wurden sie in einen ganz anderen Dienst geführt: 1970 gründeten sie den Verein "help center e.V.". Sie konnten ein Haus im hessischen Vogelsberg erwerben, um dort junge Menschen in besonderen Krisensituationen aufzunehmen und ihr Leben mit ihnen zu teilen. Dadurch fanden viele Orientierungslose, Verzagte und Gescheiterte einen neuen Lebensstil, in dem Jesus Christus im Mittelpunkt steht.

Das Erstaunliche ist, daß Gott auch hier durch sie großen Segen bewirken konnte, obwohl sie weder theologisch noch sozialpädagogisch noch psychologisch ausgebildet sind. Ihre Liebe zu Jesus und zu den Menschen, ihr kindliches Gottvertrauen, ihre Hingabe und Aufopferungsbereitschaft und ihr authentisches, glaubwürdiges gelebtes und gesprochenes Zeugnis - das sind wohl die Zutaten des Geheimnisses ihres Dienstes. Sie würden das, was ich jetzt sage, mit Sicherheit bestreiten, aber ich bin davon überzeugt, daß Gott sie für diese Arbeit auch in ganz besonderer Weise begabt hat.

Es ist also, wie gesagt, ein sehr lesenswertes Buch.

 

 

Heribert Schwan
Die Frau an seiner Seite
Leben und Leiden der Hannelore Kohl

München: Wilhelm-Heyne-Verlag 2011

Dies ist schon die zweite Biografie über die Frau des früheren Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl. Die erste erschien 2002, verfaßt von Dona Kujacinski und Peter Kohl (dem Sohn) unter dem Titel "Hannelore Kohl" und ist vergriffen.

Hannelore Kohl war aus schlechter Erfahrung Journalisten gegenüber sehr mißtrauisch, aber der Verfasser dieser Biografie konnte ihr Vertrauen gewinnen. Sein Werk liest sich sehr gut und ist hochinteressant.

Als ich Frau Kohl im Fernsehen erlebte, war ich fasziniert von ihrer Ausstrahlung, ihrem Charme und ihrer Schlagfertigkeit. Ich fragte mich damals, ob sie das Amt des Bundeskanzlers nicht noch wesentlich besser ausgefüllt hätte als ihr Mann. Aber in diesem Buch erfuhr ich, daß sie sich für Politik überhaupt nicht interessierte - es sei denn, sie berührte sie oder ihre Familie unmittelbar, wie z.B. die Schulpolitik.

Sie erblickte im Jahr 1933 in Berlin das Licht der Welt, wuchs aber in Leipzig auf. Ihr Vater war ein sehr erfolgreicher Kaufmann, so daß sie großen Wohlstand genießen durfte - jedenfalls bis in den Krieg hinein. Alles endete abrupt dadurch, daß ihr Elternhaus im Bombenkrieg zerstört wurde und damit fast alles, was die Familie besaß. Schon vorher erlebte sie unschreibliches, traumatisierendes Leid, wenn sie als Schülerin die ankommenden Züge mit Flüchtlingen und Soldaten betreuen mußte. Viele kamen erfroren an, andere Landser hatten schreckliche Verstümmelungen. Aber noch viel schlimmer war, daß sie als Zwölfjährige mehrfach von sowjetischen Soldaten vergewaltigt und auch verletzt wurde. Weder von ihrer Mutter noch von irgend einem anderen Menschen erhielt sie irgendwelche Hilfen, um damit fertigzuwerden; deshalb verdrängte sie das schreckliche Erlebte.

In Ludwigshafen lernte sie Helmut Kohl kennen und lieben. Der machte eine steile Karriere als Politiker, was ihr eigentlich gar nicht recht war. Und hier begegnet uns wieder der unsympathische Altkanzler. Immer wieder traf er einsame Entscheidungen, die die gemeinsame Zukunft betrafen. Manchmal erfuhr sie davon aus den Medien. Er wußte auch, wie sehr sie den Sommerurlaub am Wolfgangsee haßte, der kaum Erholung, aber viele Fototermine mit der Presse brachte. Aber er nahm keinerlei Rücksicht darauf. Und sie fügte sich und unterstützte ihren Mann mit all ihrer Kraft. Eine bewundernswerte Frau, von deren Freundlichkeit, Umgänglichkeit und Hilfsbereitschaft frühere Hausangestellte und sonstige Mitarbeiter noch heute schwärmen.

Sehr aufschlußreich ist das Buch im Hinblick auf die Umstände, die zu ihrem Suizid 2001 führten. Wahrscheinlich hatte sie gar keine Lichtallergie, sondern sehr schwere Depressionen. Ausgelöst wurden sie durch die Spendenaffäre ihres Mannes und die daraus resultierenden Gehässigkeiten, die auch sie trafen, obwohl sie dafür ja wirklich nichts konnte. Dazu kam wohl, daß die verdrängten Traumata der Jugend jetzt umso heftiger in ihr hochkamen. Und noch eins, was ihr Sohn in seiner eigenen Biografie nur andeutet: Sie erfuhr von der langjährigen Liebesbeziehung ihres Mannes mit dessen jetziger Ehefrau.

Wer sich für die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts interessiert, wird dieses Buch mit großem Gewinn lesen, auch wenn er nicht von Hannelore Kohl fasziniert ist wie ich. Kann gut sein, daß er es beim Lesen doch noch wird.

Ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit den Kohl-Brüdern zeigt, daß sie Manches anders sehen als der Verfasser dieser Biografie. Das tut aber meines Erachtens der Würdigung ihrer Mutter in diesem Buch keinen Abbruch.

 

 

 

Walter Kohl
Leben oder gelebt werden - Schritte auf dem Weg zur Versöhnung

München: Integral 2011

"Der Sohn vom Kohl" (Ex-Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl) zu sein und nicht einfach Walter Kohl - darunter hat der ältere der beiden Kohl-Söhne jahrzehntelang gelitten. Immer wieder machten Menschen ihn für die Politik seines Vaters verantwortlich; Ablehnung, Haß und sogar tätliche Angriffe hat ihm das vom ersten Schultag an eingebracht. Dazu kam, daß sein Vater sich so gut wie nicht um seine Kinder gekümmert hat. Immer wieder findet man in dieser Biografie den Hinweis, Kohls Familie seien nicht seine Frau und seine Söhne gewesen, sondern die CDU.

Walter Kohl hat dieses Buch als eine Art Befreiungsschlag geschrieben, um sich aus der letztlich auch selbstgewählten Opferrolle zu lösen. Man spürt beim Lesen, daß ihm das gelungen ist. Er hat sich versöhnt, vor allem mit seiner Herkunft und seiner Biografie. Obwohl sein Vater mit ihm gebrochen hat, weil er aus seiner Untertanenrolle gegenüber dem Machtmenschen Helmut Kohl (das sind meine, nicht seine Worte!) ausgebrochen ist, ist dieses Buch in keinster Weise eine Abrechnung mit dem Übervater. Er zeigt sogar sehr viel Verständnis für ihn. Trotzdem begegnet man dem Privatmann Helmut Kohl hier sehr persönlich, und mir ist er dadurch ziemlich unsympathisch geworden. Ich bin davon überzeugt, daß wir unter anderem ihm die Wiedervereinigung Deutschlands verdanken; das ist seine große Leistung als Politiker. Aber zumindest als Vater hat er fast völlig versagt, und das, was man heute soziale Kompetenz nennt, besitzt er entweder nicht oder setzt es fast nur berechnend ein.

Ich habe das 273 Seiten lange Buch, dessen Gedankengänge sehr tiefgründig sind, in wenigen Tagen gelesen; zum einen, weil ich es nur schwer aus der Hand legen konnte, und zum anderen, weil es in einem sehr flüssigen, gut lesbaren Stil geschrieben ist.

Walter Kohl ist bekennender, praktizierender Katholik, aber vermutlich kein Christ im evangelikalen Sinn. Dennoch können wir von ihm und seinem Werdegang lernen, beispielsweise die Versöhnung mit der eigenen Biografie, und Menschen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind, obwohl sie diese Schuld nicht einsehen, geschweige denn dafür um Vergebung bitten. Deshalb kann ich dieses Buch warm empfehlen.

Ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit den Kohl-Brüdern zeigt, daß die Söhne inzwischen wieder Kontakt mit ihrem Vater haben. Das finde ich sehr erfreulich!

 

 

Helmut Thielicke
Zu Gast auf einem schönen Stern - Erinnerungen aus meinem Leben

Gießen/Basel: Brunnen 2007

Dieses Buch war Teil meiner Urlaubslektüre 2009, und obwohl es 536 Seiten umfaßt, habe ich es verschlungen und sehr bedauert, daß es nicht noch länger ist. Theologen schreiben ja oft in einem hölzernen, unnatürlichen und umständlichen Deutsch, das für Laien nur schwer zu verstehen ist, was aber oft leider nur gut so ist, denn so richten ihre Machwerke weniger Schaden an. Helmut Thielicke hat nicht dazugehört. Man kann ihn wohl kaum einen bibeltreuen Theologen nennen, aber man spürt diesem Buch ganz stark seine persönliche Glaubensbeziehung zum Herrn Jesus ab. Ganz besonders im letzten Absatz leuchtet sie auf wie ein heller Stern.

Faszinierend und vorbildlich ist die Art und Weise, wie er mit anderen Menschen umgegangen ist. Umso mehr spürt man ihm ab, wie sehr ihn verletzt hat, was er von den sogenannten "Achtundsechzigern" in den Studentenrevolten einstecken mußte. Überhaupt nimmt Thielicke den Leser so erfrischend natürlich, ehrlich und echt auf die lange und ereignisreiche Reise seines Lebens mit, daß  man mit ihm fühlt, mit ihm bangt und sich mit ihm freut.

Auch, wenn ich seine Theologie längst nicht in allen Punkten unterschreiben könnte, kann ich dieses Buch doch warm empfehlen, auch für Nichttheologen.

 

 

 

Uwe Holmer
Der Mann, bei dem Honecker wohnte

Holzgerlingen: SCM Hänssler 2009

Eine Nacht verändert ein Land. Am 9. November 1989 fällt die Mauer ... . Die Ära Honecker ist beendet. Kurze Zeit später wird Pastor Uwe Holmer angefragt, ob er Erich Honecker und seine Frau Morgot aufnehmen kann. Nach Beratung mit seiner Frau und den leitenden Mitarbeitern von Lobetal faßt Uwe Holmer mit seiner Familie den Entschluß: Sie beherbergen den bisherigen Gegener der Kirche ... zehn Wochen in ihrem Pfarrhaus. Packend schilderd Uwe Holmer diese Wochen - auch die Angriffe von außen. Er schreibt in seiner Biografie über seine Kindheit und Jugend. Über sein Leben in der DDR - mit vierzig Jahren Planwirtschaft und Stasi-Bespitzelung. Und über den Wind der Veränderung, der sich nach der Wiedervereinigung Bahn bricht.

So weit der - leicht gekürzte Klappentext, der sehr gut zusammenfaßt, um was es in diesem Buch geht. Ich werde wohl nie vergessen, wie kurz nach der Wiedervereinigung in einer christlichen Konferenz mit Gläubigen aus beiden Teilen Deutschlands ein leitender Bruder aus Westdeutschland Gott dankte, daß jetzt auch jenseits des früheren Eisernen Vorhangs wieder das Evangelium verkündigt werden durfte. Selbst mich als "Wessi" berührte das seltsam, weil ich Verwandte habe, die auch vor dem Fall der Mauer dort mutig ihren Glauben bezeugt haben. Mit welchen Schwierigkeiten das verbunden war, das wird in diesem Buch sehr anschaulich.

Mich persönlich hat beim Lesen nur gestört, daß Uwe Holmer so oft vom "fröhlichen Christsein" spricht sozusagen als Norm. Vielleicht versteht er ja etwas anderes unter "fröhlich" als ich. Ich lache auch gerne, aber das kann kein Dauerzustand sein.

Abgesehen davon kann ich auch dieses Buch sehr empfehlen.

 

 

 

 

Lothar von Seltmann
Gottes Raben fliegen noch

Wuppertal: R. Bockhaus 2006

Aufgewachsen im Spannungsverhältnis zwischen gläubigem Elternhaus auf der einen und den Lehren des NS-Regimes auf der anderen Seite, wird der Gymnasiast Erhard Schneider schon mit 15 Jahren als Flakhelfer einberufen und gerät bald darauf in englische Gefangenschaft. Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes sucht er neue Orientierung für sein Leben und findet nach manchen Irrwegen zum Glauben an Jesus Christus.

Auf ein Theologiestudium folgt eine abwechslungsreiche Berufstätigkeit, zunächst in Kirche und Verlagswesen, später als Religionspädagoge im In- und Ausland.In Paraguay leistet er - inzwischen verheiratet und Vater einer siebenköpfigen Familie - eine umfassende Schul-Aufbauarbeit unter Mennoniten und übernimmt schließlich ein Pfarramt in Kanada. Im Alter von 55 Jahren folgt er mit seiner Frau einem schon lange verspürten Ruf in die Missionsarbeit: Die beiden ziehen nach Indonesien, wo Schneider bis zu seiner Pensionierung als Dozent an einer Bibelschule des WEC (Weltweiter Einsatz für Christus) tätig ist.

Wer, wie ich, gerne Biografien liest, dem sei auch dieses Buch ans Herz gelegt. Die Generation, die von dem berichten kann, was Gott in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges und den Nachkriegsjahren an ihnen und durch sie getan hat, wird ja bald ausgestorben sein. Bewegend fand ich auch die schonungslos aufrichtige Schilderung eines schweren persönlichen Versagens des Autors, als er längst im vollzeitlichen Dienst war, und wie Gott ihn wieder zurechtgebracht hat.

 

 

 

Lothar von Seltmann
Miluscha

Wuppertal: R. Brockhaus 2005

Am Nachmittag bedeutete der Sterbende seiner Elsa, sie möge ihn etwas aufrichten und alle Kinder an sein Lager bringen. Karl schien hellwach. Auf seinem Gesicht lag ein merkwürdiger Glanz in einem sanften Lächeln. Mit schwacher, aber doch kräftiger Stimme nannte der Vater seine sieben Kinder alle noch einmal deutlich mit Namen. Mit letzter Kraft hob er seine Hand zum Segen für seine Lieben. Seinem Liebling Miluscha strich er sogar noch einmal übers Haar.

"Sorgt nicht, sorgt nicht, für euch wird gesorgt. Der Vater im Himmel bleibt!" Das waren seine letzten Worte.

Das ist der Schlüsselabschnitt dieser Biografie, die, wie der Buchtitel schon anzeigt, Miluscha auf ihrem bewegenden, gewundenen, spannenden Lebensweg mit viel Auf und Ab begleitet. Geboren und aufgewachsen in der Ukraine, wird sie in den Dreißigerjahren mit ihrer Familie deportiert und zur Zwangsarbeit verurteilt. Nach dem Krieg gelingt ihr die Flucht in den Westen. Auch die Jahre danach sind nicht immer leicht für die junge Frau. Aber immer wieder erinnert sie sich an das Vermächtnis ihres geliebten Vaters, das sich gerade in den dunkelsten Stunden ihres Lebens bewahrheitet. Auch in der Fremde erfährt Miluscha Geborgenheit und Liebe bei Menschen, die ihr eine neue Heimat geben.

An die etwas altertümlich anmutende Ausdrucksweise dieses Buches mußte ich mich erst gewöhnen. Aber dann liest es sich sehr gut. Es ist ein eindrucksvolles, ermutigendes und glaubensstärkendes Zeugnis der Treue Gottes, der Seine Kinder auch in schweren Zeiten führt, bewahrt, versorgt, segnet und zum Segen setzt für andere Menschen, wenn sie Ihm vertrauen und gehorchen.

 

 

 

Denise Chong
Das Mädchen hinter dem Foto - Die Geschichte der Kim Phuc

Basel: Brunnen 2005

Im Sommer 1972, als der Vietnamkrieg tobt, geht ein Foto um die Welt, das jeden Betrachter tief erschüttert: Ein neunjähriges südvietnamesisches Mädchen, das sich die von Napalmbomben entzündeten Kleider vom Leib gerissen hat, rennt schreiend auf die Kamera zu.

In Denise Chongs Buch wird die Geschichte hinter diesem Foto authentisch, spannend und sensibel erzählt. Bewegend ist vor allem, wie Kim Phuc zum Glauben an Jesus Christus kam und dadurch den Menschen vergeben konnte, die ihr das und vieles andere angetan haben. Das Buch ist ein starkes, eindruckvolles Zeugnis der Gnade und Vergebung.

 

 

Stephan Holthaus (Hrsg.):
Doyle Klaassen: Ein Leben im Dienst für Gott

Hammerbrücke: jota-Publikationen 2007

Als ich nach meinem Missionsdienst in Haiti wieder einmal in der Bibelschule Brake zu Besuch war, wo ich Jahre zuvor eine gute, sehr wertvolle Ausbildung genossen hatte, sprach ich den damaligen Schulleiter Doyle Klaassen an. Ich dankte ihm dafür, daß er seine Heimat in Kanada hinter sich gelassen hatte, um im für ihn ursprünglich so fremden (und mittlerweile so vertrauten) Deutschland zu helfen, jungen Gläubigen zu ermöglichen, die Bibel intensiv kennenzulernen und sich für den Dienst für Gott zurüsten zu lassen. Ich sagte ihm, was dieses Opfer für ihn und seine Frau bedeutet haben muß, das sei mir erst bewußt geworden, als ich selbst in einer fremden Kultur als Missionar diente. Er sagte, nicht nur mir sei es so gegangen.

Dies zeigt auch, wie gut er sich der deutschen Kultur angepaßt hatte und wie gut sein Deutsch war und ist (seine deutschen Rundbriefe sind immer noch druckreif!). Viele seiner früheren Kollegen, aber auch ehemalige Bibelschüler und andere Freunde berichten hier über sein Leben. Er war ja Nachfolger des ersten Leiters und Mitbegründers, John Parschauer, der bereits beim Herrn ist. Er stand diesem so gesegneten Werk von 1978 bis 2007 vor. Im letzten Teil berichtet er auch selbst.

Diese Biografie ist nicht nur den vielen, vielen Menschen zu empfehlen, die ihn persönlich kennen und - wie ich - von seinem Dienst profitiert haben. Es ist das Gott verherrlichende Zeugnis über einen Mann, der sein ganzes Leben kompromißlos in den Dienst für Gott gestellt hat und den Gott auf beeindruckende Weise gebraucht hat und noch gebraucht.

Schade finde ich nur, daß der "Klappentext" von diesen Dingen in der Vergangenheitsform spricht, als sei er schon tot. Er ist zwar im Ruhestand und lebt mit seiner Frau wieder in seiner kanadischen Heimat, aber er ist immer noch sehr aktiv und unter anderem regelmäßig auch  in Brake als Gastlehrer tätig.

 

Reinhold Kerstan
Ein deutscher Junge weint nicht - Erinnerungen an damals

Wuppertal / Kassel: Oncken 1981

Dieses Buch habe ich einmal einem gläubigen amerikanischen Freund geliehen, um ihm zu helfen, besser zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, daß so viele Jünger Jesu in der Nazizeit die Zeichen der Zeit nicht erkannten und zu Mitläufern wurden. Er sagte, das habe ihm sehr geholfen. Es geht nicht darum, zu rechtfertigen, sondern zu verstehen.

Reinhold Kerstan wuchs als Pastorensohn auf und geriet dadurch mehr und mehr in eine Zerreißprobe zwischen den christlichen Werten seines Elternhauses und dem immer mehr überhandnehmenden Nationalsozialismus. Das beschreibt er in diesem Buch, ebenso, wie er den Krieg und die Nachkriegszeit erlebte.

Das Buch ist wohl schon lange vergriffen (leider!), aber antiquarisch noch zu akzeptablen Preisen zu bekommen.

 

 

 



 
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