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Diakonie

Lisa R. Hirsch
My Mom My Hero
Alzheimer's - A Mother And Daughter's Bittersweet Journey
Amazon Kindle E-Book

Die Verfasserin ist eine weltweit bekannte Bloggerin, und dieses Buch besteht aus den wöchentlichen Blogs vom Frühjahr 2011 bis zum Herbst 2012. Lisa war als Kind von ihrem Vater vergöttert und mit Liebe überschüttet worden. Umso schärfer war der Kontrast zu der Art, wie ihre Mutter mit ihr umging: streng und fordernd; es fehlte der Tochter vor allem an Wärme. Vielleicht hatte ihre Mutter Angst davor, daß ihr Mann die Tochter zu sehr verwöhnen könnte, aber es schwang wohl auch Eifersucht mit. Deshalb hatte Lisa ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Mutter.

Das änderte sich ins totale Gegenteil, als Jahre nach dem Tod des Vaters bei der Mutter Alzheimer diagnostiziert wurde. Ruthie, so hieß die Mutter, verwandelte sich ziemlich schnell in eine warmherzige, liebevolle Frau, die nun auch immer wieder ihrer Tochter sagte, wie sehr sie sie liebte. Kommunikation war meistens nur übers Telefon möglich, denn Lisa Hirsch lebt in New York, und ihre Mutter wollte nicht aus Florida wegziehen, wo sie die letzten Jahre verbracht hatte. So telefonierten die beiden täglich mindestens einmal, und Lisa lernte ganz neue Seiten an ihrer Mutter kennen. Obwohl sie glücklich verheiratet ist und einen erwachsenen Sohn hat, wurde ihre Mutter die wichtigste Person in ihrem Leben - schon deshalb, weil sie wußte, daß ihr nicht viel Zeit blieb. Sie erlebte, wie Ruthie immer mehr geistig abbaute. Wobei es aber immer wieder Phasen gab, in denen die alte Dame geistig unheimlich präsent war und ihr Gedächtnis auf einmal wieder erstaunlich gut funktionierte.

Es ist ein herzerwärmendes Buch und deshalb echt empfehlenswert. Ich finde nur, daß es zu früh veröffentlicht worden ist. Denn es endet, bevor es wirklich schwer wurde für die Tochter, weil irgendwann fast keine Kommunikation mehr möglich war. Das muß zweifellos jetzt der Fall sein. Man wüßte als Leser gerne, wie die Tochter damit fertiggeworden ist bzw. fertigwird.



Monique Weissenberger-Leduc
Anja Weiberg
Gewalt und Demenz
Ursache und Lösungsansätze für ein Tabuthema in der Pflege
SpringerWienNewYork
Amazon Kindle E-Book


Dies ist ein hochaktuelles Thema und ganz heißes Eisen. Da ich ja selbst seit ein paar Monaten in diesem Bereich beruflich tätig bin, interessiert es mich ganz besonders. Deshalb war mein Interesse ebenso groß wie meine Erwartungen, als ich nach diesem Buch griff.

Sehr bewegt hat mich das einleitende Kapitel über die Krankheit "Demenz". Darüber wußte ich aufgrund meiner Ausbildung schon Einiges. Aber die Autorinnen führen eine Menge Berichte von Betroffenen an über das, was diese in den früheren Phasen dieses Leidens erlebt und empfunden haben, solange sie es noch in Worte fassen konnten. Einfühlsamen Lesern wie mir geht das sehr nahe; das Gelesene hat mir geholfen, mich noch besser in Betroffene hineinzudenken und hineinzufühlen.


Allerdings scheint dies eine wissenschaftliche Arbeit zu sein, und das stellt selbst an einschlägig vorgebildete und besonders interessierte Leser wie mich hohe Ansprüche. Das macht sich bei dem Gebrauch vieler Fremdwörter bemerkbar, die längst nicht alle erklärt werden. Dann werden Texte in englischer Sprache zitiert, ohne sie zu übersetzen. Und vor allem schlägt sich dies in einer Ausführlichkeit nieder, die für die wissenschaftliche Behandlung dieses Themas erforderlich sein mag; aber die meisten Leser, einschließlich meiner Wenigkeit, werden damit überstrapaziert. Ich habe beim Lesen immer wieder einige Seiten übersprungen und nach etwa der Hälfte diese Lektüre gänzlich aufgegeben.


Besonders die Ausführungen zur Definition von Gewalt sind ermüdend weitschweifig und akademisch-theoretisch-"grüntischig". Wenn man diese Definitionen, wie es die Verfasserinnen tun, auf den Alltag der Pflege von Demenzkranken anwendet, dann ist jede noch so relativ unbedeutende kleine unprofessionelle Handlung von Mitarbeitern in Pflegeheimen eine Form von Gewalt an Demenzkranken. Das macht letztlich alle, die in diesem Bereich tätig sind, zumindest im moralischen Sinn zu Kriminellen.


Es ist allerdings keineswegs so, daß die Verfasserinnen die mißliche Lage verkennen, in der sich vor allem die Pflegekräfte befinden aufgrund des Personalmangels und des Zeit- und Leistungsdrucks in den Pflegeheimen, die aus den gesetzlichen Vorgaben resultieren. Sie prangern diese Mißstände deutlich und mit praktischen Beispielen an. Aber die versprochenen Lösungsansätze interessieren mich gar nicht mehr. Jedem, der auch nur ein wenig Einblick in den Pflegealltag hat, fallen sie sofort ins Auge: Für die Altenpflege, besonders im Bereich der Demenzkranken, müßte ganz erheblich mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Das fängt schon an mit den Gehältern der Mitarbeiter. Man muß schon ein enormes Maß an Idealismus mitbringen, um für so wenig Geld die physischen und psychischen Belastungen auf sich zu nehmen, die diese Berufe mit sich bringen. Und auch die Heime müßten sehr viel besser finanziell ausgestattet werden. Es ist doch leider in den meisten Einrichtungen so, daß nur ein kleiner Teil der Pflegekräfte examinierte Altenpfleger sind - die übrigen sind suboptimal ausgebildete Hilfskräfte. Angesichts der schlechten Wirtschaftslage und der Überalterung unserer Gesellschaft werden sich diese Probleme aber in der Zukunft nicht verbessern, sondern noch verschlimmern. Was nützen uns also noch so kluge "Lösungsansätze"?


Ist dieses Buch empfehlenswert? Ich weiß es nicht. Für Leser mit entsprechendem beruflichem oder familiärem Hintergrund schon, aber nur auszugsweise.

 

 


Jörn Klare
Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand
Vom Wert des Lebens mit Demenz

suhrkamp nova 2012

Der Verfasser schildert, wie sich die Demenzerkrankung seiner Mutter entwickelte und wie er als - zumindest in meinen Augen - wohltuend empfindsamer und einfühlsamer Mensch versucht, damit fertigzuwerden. Dazwischen berichtet er immer wieder von Gesprächen mit Fachleuten, die sich mit diesem Thema befaßt haben. Besonders bewegt ihn die Frage, welchen Wert das Leben eines Dementen subjektiv und objektiv hat. So liefert er eine Menge Informationen über die Erkenntnisse der Wissenschaftler. Wobei ich beim Lesen allerdings immer mehr Zweifel an deren Gültigkeit bekommen habe. NIcht nur, weil sie einander widersprechen, sondern auch in dem Wissen, daß das menschliche Gehirn immer noch weitestgehend unerforscht ist, kommen mir diese "Erkenntnisse" doch sehr vor wie ein Stochern im Dunkeln, ein Jonglieren mit mehr oder weniger Vermutungen, die sich morgen schon als Irrtümer erweisen können.

Beängstigend finde ich den Hinweis darauf, daß die Ansichten des australischen Ethikers Peter Singer durchaus keine Außenseiterposition mehr sind, sondern in Fachkreisen hinter vorgehaltener Hand immer mehr geteilt wird. Es geht um die Utilitaritäts-Ethik: ein Leben, das keinen Nutzen mehr für die Gesellschaft hat, könne getrost beendet werden.

Ich sehe mich bestärkt in der Ansicht, daß nur das jüdisch-christliche Menschenbild als Geschöpf Gottes, das Ihm ähnlich ist, eine dauerhaft tragfähige logische Grundlage für die Würde und den Wert jedes Menschen ist. Alles andere ist zwangsläufig relativ und kann fast nach Belieben weiter relativiert werden.

Dieses Buch empfehle ich allen, die sich für dieses Thema interessieren. Im Grunde sollte das jeder tun, denn die Zahl der Demenzkranken und somit auch der Menschen, die als Verwandte, Freunde und gute Bekannte mit diesem Leiden konfrontiert werden, wird in den nächsten Jahren enorm zunehmen.

 

 



Barbara Deane
Was tun, wenn sie alt werden?
Eltern pflegen & betreuen

Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg
ISBN 3-89436-206-5


Acht Jahre lang hat die Verfasserin ihre alte Mutter bei sich zu Hause versorgt; dieses Buch ist das Ergebnis ihrer Erfahrungen. Kompetent, konkret und anhand von praktischen Beispielen schildert sie die Probleme, die das Älterwerden und die Pflege für die Pflegebedürftigen, aber auch für die Pflegenden mit sich bringt, z.B. im medizinischen, emotionalen, geistlichen und juristischen Bereich. Darüber hinaus zeigt sie Lösungen auf, die biblisch und fachlich fundiert und praktikabel sind. So hilft sie ihren Lesern u.a., das Alter in einem neuen Licht zu sehen. Teilweise nicht so gelungen ist der Abschnitt über den richtigen Umgang mit Klagen und Vorwürfen der Eltern; die vorgeschlagenen Antworten können leicht wie ein gedankenloses Nachplappern wirken.


Sehr hilfreich sind dagegen die Tips, die die Pflegenden davor bewahren sollen, sich im Dienst für die Eltern aufzureiben. Das gilt u.a. auch für die Anleitung zur Bewältigung der Beziehungsprobleme, die oft erst in dieser Situation offen zutagetreten, sowie für das, was über die Lösung der Probleme gesagt wird, die durch die Pflege in der Familie des Pflegenden entstehen können. Im Hinblick auf juristische Fragen sowie Hilfe und Beratung hat der Herausgeber für eine Anpassung an unsere deutschen Verhältnisse gesorgt.

Allen älteren Christen empfehle ich dringend die Lektüre dieses ausgezeichneten Buches, weil sie damit rechnen müssen, in irgendeiner Weise pflegebedürftig zu werden, sowie ihren Kindern, weil sie mit zunehmendem Alter ihrer Eltern mehr und mehr für sie verantwortlich sind.