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Geschichtliches


A.L. Carpenter
Southern Baptists and Southern Slavery
The Forgotten Crime against Humanity
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Was ich in diesem Buch gelesen habe, das hat mich teilweise überrascht und schockiert. So hatte ich vorher geglaubt, die Southern Baptist Convention (SBC, Konvention der Südlichen Baptisten) habe sich im 19. Jahrhundert von den nördlichen Baptisten getrennt, weil sie deren liberale Bibelhaltung nicht teilten. Aber der Verfasser weist nach, daß es keinerlei derartige Unterschiede gab und daß der Anlaß für die Gründung der SBC einzig und allein die Sklavenfrage war. Die Südstaaten-Baptisten hielten die Sklaverei für biblisch vertretbar, und das sahen die Baptisten der Nordstaaten völlig anders. Das ist der Grund, weshalb es 1845 zu dieser Trennung kam. Das wird noch heute in SBC-Kreisen verschwiegen. Über die Geschichte dieser größten protestantischen Denomination der Welt wird der Mantel des Schweigens gebreitet, indem behauptet wird, Jesus Christus selbst habe sie gegründet. Alle möglichen katholizismuskritischen Bewegungen der Kirchengeschichte werden kurzerhand zu Baptisten gemacht und somit zu Vorläufern der SBC.

Aber viel schlimmer ist, zu lesen, wie die frühen führenden Theologen der SBC die Bibel mißbrauchten, um die Sklaverei als angeblich gottgewollt zu rechtfertigen. Man berief sich dazu u.a. einfach auf die einschlägigen Aussagen des Alten Testament in den Bestimmungen des Gesetzes des Alten Bundes, die man für uns heute für verbindlich und autoritativ erklärte. Daß das Neue Testament die Sklaverei zumindest nicht ausdrücklich in Frage stellt, bezeichnete man als eine weitere Bestätigung. Dazu kam noch der Einfluß des Calvinismus, der vom "zulassenden Willen Gottes" spricht: Alles, was geschieht, kann nur geschehen, weil Gott es will oder zumindest zuläßt - also kann auch Sklaverei nicht gegen Seinen Willen sein. Außerdem glaubte man allen Ernstes, daß die Schwarzen ein Zwischending zwischen Mensch und Tier seien, also unter den Weißen stünden und entsprechend behandelt werden müßten. Logischerweise haben deshalb viele Baptistenprediger in der Südstaaten-Armee für die Aufrechterhaltung der Sklaverei gekämpft.

Der Verfasser sieht die Bibelhaltung der Southern Baptists als die Hauptursache für diese Entwicklung. Sie sahen und sehen die ganze Bibel als das irrtumslose, in allen ihren Aussagen autoritative Wort Gottes an, und das galt in ihren Augen eben auch für die alttestamentlichen Gesetze über die Sklaverei. Carpenter weist zu Recht darauf hin, daß diese "wörtliche" Auslegung von Bibelstellen, wie er sie nennt, immer selektiv (auswählend, willkürlich) ist. Denn die Southern Baptists sind ja nicht auf die Idee gekommen, den Sabbat zu halten statt den Sonntag, ihre Söhne beschneiden zu lassen, Tieropfer zu bringen usw. Der Verfasser sagt, daß man bei diesem Umgang mit der Bibel immer Autoritäten braucht, die entscheiden, welche Aussagen der Bibel wörtlich zu nehmen seien und welche nicht. Als wohltuende Alternative dazu empfiehlt er die bibelkritische Schultheologie, die sich selbst bekannterweise "historisch-kritische Methode" nennt. Mit ihr könne man erkennen, welche Teile der Bibel "echt" sind und welche nicht und welche zeitbedingt sind und welche nicht. Er übersieht dabei aber, daß er damit den Bock zum Gärtner macht und erst recht der Willkür bei der Bibelauslegung Tor und Tür öffnet. Denn jetzt brauchen wir ja wieder eine Instanz, die uns sagt, welchen Aussagen des Wortes Gottes wir glauben und gehorchen sollen und welchen nicht.

Daß die Bibelkritik kein Schutz vor einer Anpassung der Theologie an den jeweiligen Zeitgeist ist, das hat die jüngere deutsche Geschichte zu Genüge bewiesen. Die "deutschen Christen", die den Nationalsozialismus  biblisch zu begründen versuchten, waren Vertreter eben der von Carpenter empfohlenen "historisch-kritischen Methode", ebenso wie die Erfinder der "Kirche im Sozialismus", die sich in der DDR mit dem Kommunismus verbrüderten. Egal, wie wir zur Bibel stehen - wenn wir wild entschlossen sind, unsere eigenen, sündhaften, falschen, zeitgeistinspirierten Gedanken in sie hineinzulesen, wird uns das gelingen, denn sie kann sich ja nicht dagegen wehren.

Carpenter macht es sich einfach zu leicht, wenn er die Aussagen in den Paulusbriefen zum Verhältnis zwischen Sklavenhaltern und Sklaven damit "neutralisiert", daß er eben diese Briefe als nicht echt paulinisch deklariert. Zusätzlich sichert er sich noch damit ab, daß er diese Aussagen als nicht für uns verbindlich bezeichnet. Paulus sei vermutlich selbst Sklavenhalter gewesen (!) und sei somit ein Kind seiner Zeit gewesen.

Es ist ein echtes theologisches Problem, daß Jesus nichts ausdrücklich gegen die Sklaverei gesagt hat. Allerdings schließt das Gebot der Nächstenliebe dieses schlimme Unrecht automatisch aus. Die Stellen in den Briefen sind allerdings mit Sicherheit nicht so gemeint, daß sie die Sklaverei gutheißen. Es ist lediglich so, daß die Christen damals gar nicht die Möglichkeit hatten, die Sklaverei abzuschaffen. Ich gebe aber ehrlich zu, daß ich nicht verstehe, warum die Apostel die gläubigen Sklavenhalter nicht dazu aufforderten, ihre Sklaven freizulassen. Aber solche Spannungen muß man aushalten können und der Versuchung widerstehen, sie durch theologische Taschenspielertricks scheinbar aus der Welt zu schaffen.

Auch übersieht Carpenter einige wichtige Verse im Philemonbrief; da schreibt der Apostel über den entlaufenen Sklaven Onesimus:

15 Denn vielleicht war er darum eine Zeit lang von dir getrennt, damit du ihn auf ewig wiederhättest, 15 nun nicht mehr als einen Sklaven, sondern als einen, der mehr ist als ein Sklave: ein geliebter Bruder ... so nimm ihn auf wie mich selbst.

Wie soll Philemon Onesimus nach dessen Rückkehr behandeln?
  • nicht mehr als einen Sklaven, sondern als einen Bruder
  • so, wie er Paulus behandeln würde

Das ist nur möglich, wenn er ihm die Freiheit schenkt! Das Neue Testament spricht sich offensichtlich sehr wohl gegen die Sklaverei aus.

Ich sehe also zentrale Aussagen dieses Buches sehr kritisch. Aber ich empfehle es dennoch sehr allen theologisch und historisch Interessierten.



Peter Hoover
Feuertaufe - Das radikale Leben der Täufer - eine Provokation

Berlin: Down to Earth 2006

Die meisten Kirchengeschichtler bezeichnen sie als "Wiedertäufer". Sie waren Zeitgenossen der Reformatoren, gingen aber noch einen Schritt weiter als sie. Dabei war ihre abweichende Tauflehre und -praxis natürlich der auffallendste, aber keineswegs der einzige Unterschied zu Luther, Calvin und Zwingli. Sie lehnten die Säuglingstaufe strikt ab, durch die noch heute Kinder von Mitgliedern der großen Kirchen praktisch in sie hineingeboren werden. Statt dessen tauften sie nur Menschen, die eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus hatten. Waren diese bereits als Kinder getauft worden, so betrachteten die Täufer diese Taufe als ungültig. Aus kirchlicher Sicht aber waren sie "Wiedertäufer" ("Anabaptisten"), die sich anmaßten, ein Sakrament wiederholen zu müssen, in dem Gott Sein Ja zu dem Kind gesprochen hatte. Deshalb wurden sie von Anfang an blutig verfolgt. Und die meisten von ihnen blieben standhaft und gingen aufrecht und unbeugsam in den Tod.

Der Verfasser dieses Buches ist selbst Nachfahre der ersten Täufer. Er geht in diesem Buch der Frage nach, was ihnen die Kraft gab, diesem Druck standzuhalten. Ich selbst habe die Täufer auch immer dafür bewundert, obwohl man sich natürlich von den teilweise extremen Auswüchsen (zum Beispiel in Münster) eindeutig distanzieren muß. Das tut auch Peter Hoover.

In seiner Begeisterung für die Täufer schießt er aber meiner Meinung nach sehr weit übers Ziel hinaus. Das wird erschreckend deutlich auf Seite 49, wo er formuliert, worin er den Unterschied zwischen Luther und den Täufern sieht. Eine Seite vorher erzählt er noch, wie sehr ihn ein Buch über das Leben des Reformators bewegt hat: "Die Geschichte seiner Bekehrung traf mich ins Herz. Seine Überzeugung und sein Eifer für die Wahrheit inspirierten mich wie kaum etwas zuvor in meinem Leben." (Hervorhebung von mir)

Wie kann er das vereinbaren mit dem Urteil, das er eine Seite später über diesen großen Mann Gottes fällt: "Martin Luther fand Ruhe für sein Gewissen nicht in Christus, sondern in Paulus, nicht im Evangelium, sondern in 'gesunder Lehre'. ... Luther fand die Schrift und die Lehre. Die Täufer fanden Christus."? Ich vermag keinen Gegensatz zu erkennen zwischen Christus und Paulus, zwischen Evangelium und gesunder Lehre oder zwischen Schrift und Lehre einerseits und Christus andererseits. Ich möchte nichts weiter zu diesem Unsinn sagen - das ist es nicht wert.

Ich gebe auch offen zu, daß ich deshalb bald darauf die Lektüre dieses Machwerks abgebrochen habe. Das hat sicherlich auch mit daran gelegen, daß es, je länger, je mehr, sehr langatmig geschrieben ist mit ausführlichen Zitaten aus den Schriften der Täufer. Das mag für Kirchengeschichtler sehr interessant sein, aber für mich nicht.

Fazit: Wenn Sie sich für Kirchengeschichte interessieren, speziell für die Täufer, und wenn Sie hart im Nehmen sind bzgl. solcher krasser Fehlurteile, dann ist dieses Buch für Sie interessant. Allen anderen kann ich nur raten: Lesen Sie lieber etwas anderes. Es gibt mehr als genug gute Alternativen.